Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Düstere Aussichten für Spanien

27. November 2009

Trübe wie dieser Himmel über einem Stück kanarischer Felsküste dürften die Aussichten für den spanischen Immobilienmarkt aussehen, wie hier beschrieben. Und wie von mir bereits vor Ort in Augenschein genommen.

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Klatsche für Merkel?

4. November 2009

General Motors bläst tatsächlich nach 6 Monaten Herumgehampel den Verkauf von Opel an Magna ab – ich hätte es nicht geglaubt. Vordergründig bedeutet dies natürlich eine Brüskierung für Merkel. Wenn man sich allerdings erinnert, daß Merkel anfangs keine begeisterte Befürworterin von Staatshilfen war und erst vom Wahlkampfgetrommle des Herrn Steinmeier in den Verhandlungsschlamassel um den Opel-Verkauf getrieben wurde, so könnte ich mir vorstellen, daß sie insgeheim erleichtert ist. Dies umso mehr, als GM bereits die pünktliche Rückzahlung der 1,5 Milliarden Euro Staatskredit in Aussicht gestellt hat, womit sich auch der Schaden für den Steuerzahler in Grenzen halten würde. Die Bundesregierung hat wieder alle Optionen offen – von der Gewährung eines deutlich reduzierten Staatshilfebeitrages bis hin zum völligen Rückzug aus jeglichen Beihilfeszenarien.

Aber auch Magna scheint nicht allzu unglücklich über die GM-Entscheidung zu sein. Angesichts der kaum verhüllten Drohungen ihrer Kunden VW und BMW, wichtige Aufträge zu kündigen, hat man offenbar erkannt, daß der Aufstieg zum Automobilhersteller doch mit größeren Schlaglöchern gepflastert ist.

Zudem scheint sich der Opel-Betriebsrat nicht einig über die zukünftige Vorgehensweise zu sein. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz spielt mit hohem Einsatz und fordert, unter einem Mutterkonzern GM keine Staatshilfen an Opel zu gewähren. Der Bochumer Betriebsrat Rainer Einenkel hingegen weiß sehr gut um die akute Gefährdung seines Werkes und will Beihilfen auch unter GM-Führung ausgezahlt sehen. Und die britischen Gewerkschafter führen angesichts der GM-Entscheidung gegen den Magna-Verkauf einen wahren Freudentanz auf.

Weltwirtschaft und die kleine Insel

26. Oktober 2009

Mit leichter Verspätung *hüstel* folgt eine kleine Nachlese zu meinem Lanzarote-Urlaub im September.

Fester Bestandteil jedes Kanarenurlaubs ist es, per Bus von einer Ecke seines Urlaubsortes zu einer anderen transportiert zu werden. Dazu gehören die Fahrten zwischen Flughafen und Hotel jeweils am Anfang und Ende der Reise, dazu gehören verschiedene Inselbesichtigungstouren. Bei mir war das nicht anders.

Während dieser Touren fuhren wir immer wieder durch einen Vorort von Playa Blanca, der fast ausschließlich aus Einfamilienhäusern besteht. Beim ersten Mal fiel mir noch nichts auf. Die Häuser sehen adrett aus, die Gärten weisen fast kein Grün auf, aber OK, dies hier ist Lanzarote: eine Vulkaninsel mit wenig Wasser. Ich hatte zwar ein undefinierbares Gefühl, daß etwas nicht stimmt, konnte es aber nicht greifen.


Adrett…

Bei der nächsten Fahrt kam mir schlagartig die Erleuchtung: In keinem der Häuser stehen Möbel, die Fenster haben alle einen leichten Schmutzschleier und vor keinem einzigen Haus steht ein Auto. Und ich erinnerte mich, daß es zwar die USA waren, die die großen Schlagzeilen von der Immobilienkrise produzierten, daß aber auch in Spanien eine ähnliche Blase mit lautem Knall geplatzt war. Das, was ich hier sah, war eines der traurigen Überbleibsel. Die gesamte Siedlung ist unbewohnt.

… und leerstehend

Mit diesem Aha-Erlebnis achtet man plötzlich auf verschiedene Anzeichen, die man auf der ganzen Insel findet: Fertige Häuser, die mit den leeren Räumen und verschmutzten Fenstern wie eine Kopie aus der beschriebenen Siedlung aussehen. Oder Häuser in verschiedenen Baustadien, die von ‚Grundplatte gegossen‘ bis ‚fertig, aber noch keine Fenster drin‘ reichen – und an nicht einem Haus wird gearbeitet.

Lanzarote3
Vorführhaus: gefüllter Swimmingpool und Verkaufsplakat

Später erzählte die Reiseleiterin auf einer Inselbesichtigungstour, daß Lanzarote von der Immobilienkrise nicht so stark betroffen sei wie andere Gebiete von Spanien. Und ich frage mich, wie es in Restspanien aussehen muß, wenn ein komplett leerstehendes Viertel als „nicht so stark betroffen“ bezeichnet wird.

Die nächste Volte im Fall Opel

23. Oktober 2009

Ob etwas an den Spekulationen dran ist, GM wolle Opel doch nicht an Magna verkaufen und die staatlichen Beihilfen selbst einsacken, wird man sehen. Der Marke Opel kommt diese Kehrtwende – die wievielte eigentlich? – bestimmt nicht gelegen. Der Steuerzahler hingegen kann wieder hoffen, die laut Treuhänder Wennemer unabwendbare Pleite nicht mit vielen Milliarden Euro für ein paar Jahre hinauszögern zu müssen. Sollte GM wirklich Opel behalten wollen, lassen sich bestimmt genügend Gründe finden, das Staatsgeld zu versagen.

Allerdings bin ich nicht allzu zuversichtlich, daß die Regierung dafür clever genug ist. Schließlich ist man an die ganze Opel-Rettung so dilettantisch wie nur möglich herangegangen. Ob das nun die idiotische Aufgabe von Verhandlungspositionen durch Steinmeier war – ich bin überzeugt, daß das, was wir jetzt sehen, eine Spätfolge dessen ist – oder die frühzeitige Festlegung auf Magna, stets hat die Politik den Fokus mehr auf öffentliche Wirkung statt auf das Wohl des Unternehmens gelegt.

Sinnvoll wäre gewesen, Opel so aufzustellen, daß sie die bestmögliche Chance haben, den jetzigen Sturm zu überleben. Das hätte wesentlich härtere Entscheidungen im Hinblick auf Stellenstreichungen und Werksschließungen als das bedeutet, was im Magna-Konzept steht. Und so schlecht, wie Opel im Augenblick dasteht, gäbe es auch mit einem härteren Konzept keine Garantie, daß sie überleben. Aber es wäre immer noch besser als die Alternative, die uns Politik und Gewerkschaften zumuten wollen: den großen Geldzapfhahn aufzudrehen und damit den sicheren Tod um zwei Jahre hinauszuschieben.

Dem Betriebsratsvorsitzenden Franz, der mit Sicherheit genau weiß, wie es um Opel steht, ist die Geldverschwendung doch vollkommen wurscht. Seine Aufgabe ist, soviel wie möglich für seine deutschen Beschäftigten herauszuholen. Der würde auch 10 Milliarden aus des Steuerzahlers Taschen in dem Laden versenken, wenn er damit den Insolvenzantrag nur um ein halbes Jahr hinauszögert.

Malen auf Raketen

20. August 2009

Markus Frick hatte ich bereits vorgestellt als das öh… Genie, welches Kleinanlegern 900 Euro pro Jahr dafür abnahm, daß er ihnen Aktien-Mailspam zuschicken durfte. Allerdings verstummten nie die Gerüchte, daß Fricks Kursraketen in Wirklichkeit mit ein bißchen Farbe aufgehübschte leere Hüllen seien.

Die Staatsanwaltschaft hegt nun den dringenden Verdacht, daß Frick offenbar selber fleißig mitgepinselt hat. Auf deutsch, viele der empfohlenen Aktien sollen von ihm aufgekaufte, wertlose Aktienmäntel gewesen sein, die ihm dann von seinen Jüngern zu Phantasiepreisen aus den Händen gerissen wurden. Wie lukrativ dieses Geschäft gewesen sein muß, läßt sich an den 80 Millionen Euro ermessen, die von der Staatsanwaltschaft sichergestellt wurden.

Mal schauen, wie es weitergeht.

Schuld, wohin wir schauen

6. August 2009

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt ein Sprichwort. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn sich jemand aus den Reihen der Globalisierungsgegner zu Wort meldet und seine Weisheit unters Volk zu streuen begehrt.

Jüngstes Beispiel: Martin Geiger vom WWF beklagt, daß wir Deutschen zuviel Wasser verbrauchen. Damit meint Geiger nicht etwa den persönlichen Wasserverbrauch des einzelnen – der ist in den letzten Jahren gefallen – sondern der Wasserverbrauch über die Produkte, die wir importieren, insbesondere Agrarprodukte wie Kaffee und Kakao aus Ländern z. B. der Dritten Welt. Dafür verwendet er die Metapher „Wasser-Fußabdruck“. Wen diese in ihrer Idiotie an den Orwell’schen Neusprech („Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“) erinnert – schließlich hinterläßt so ein Fuß, den man aus dem Wasser zieht, einen deutlichen und vor allem dauerhaften Abdruck im selbigen – liegt damit gar nicht so falsch.

Als Abhilfe gegen den vom WWF errechneten riesigen Wasserverbrauch schlägt Geiger unter anderem vor, die Erzeugerländer zu boykottieren und nur beim hiesigen Agrarproduzenten zu kaufen (und damit vermutlich demnächst seinen Kaffee und Kakao von deutschen Obstbauern zu beziehen). Womit er im Grunde die Sichtweise der Globalisierungsgegner übernimmt, nach der es falsch ist, in Indonesien genähte Turnschuhe zu kaufen, weil man damit die Ausbeuterlöhne der dortigen Betriebe unterstützt, egal wieviele Arbeiter damit in Lohn und Brot stehen. So bringt uns Geiger bei, daß wir mit unserer abendlichen Tasse heißer Schokolade in gleicher Weise den Grundwasserspiegel in Cote d’Ivoire schädigen.

Nun wären die Äußerungen Geigers nicht so schlimm, träfe er auf einen Journalisten, der derlei Zeug nicht einfach unreflektiert abdruckt. Gute Fragenkataloge an die Attac-Aktivisten und ihre Brüder im Geiste liefert gerne jeder Ökonom von Rang, so zum Beispiel Nobelpreisträger Paul Krugman, der in seinen Büchern gründlich mit dem Mythos von der Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Dritten Welt durch Kaufboykott aufräumt, im Gegenteil die Kontraproduktivität solcher Maßnahmen belegt.

Wem das Lesen von Ökonomiebüchern – und seien sie noch so kurzweilig geschrieben – zu anstrengend ist, möge sich die einfache Frage stellen, was eigentlich den Kakao anbauenden Bauern an der Elfenbeinküste ein ‚gesunder‘ Grundwasserspiegel nutzt, wenn keiner ihre Produkte kauft. Und ob sie – um dem Kaufboykott durch unsere ökologiebewußten Gutmenschen zu entgehen – stattdessen auf die Produktion weniger grundwasserintensiver, dafür politisch korrekter Erzeugnisse umsteigen sollen. Vielleicht Sonnenkollektoren oder Wärmetauscher?

Leider findet Geiger in Rolf Obertreis keinen Journalisten, der die Kunst der Nachfrage beherrscht. Stattdessen macht sich dieser ganz offenbar mit der Sache von Geiger gemein und verfällt genau in jenen nervenden Alarmismus, mit dem uns ein schlechtes Gewissen für so ziemlich jedes Vorkommnis zwischen Nord- und Südpol eingeflößt werden soll. Womit sich die „kritischen Warner“ natürlich als unser ökologisches Gewissen profilieren können, selbst wenn sie den allergrößten Blödsinn verzapfen.

Opel-Bilanzen

20. Juli 2009

Hat ja lang genug gedauert, bis mal jemand nachfragt.

Und – quelle surprise – es steht drin, was wir erwarteten.

Stayfriends

25. Juni 2009

Eigentlich wollte ich mich bei Stayfriends anmelden, nachdem ich festgestellt habe, daß sich dort schon einige ehemalige Klassenkameraden tummeln, die ich seit ewigen Zeiten nicht gesehen habe. Will man jedoch auf der Stayfriends-Seite Leistungen und Kosten herausfinden, ist das zum Scheitern verurteilt. Richtig gelesen! Solange man nicht angemeldet ist, gibt es nirgendwo einen Überblick (oder man hat ihn gut versteckt), was man mit dem kostenlosen Basis-Account darf und was nicht.

Daß man erst mit dem kostenpflichtigen Gold-Account andere kontaktieren kann (womit IMHO der Basis-Account vollkommen sinnlos ist), bleibt ebenso verborgen wie die Tatsache, daß es überhaupt einen Gold-Account gibt. Folglich ist auch nicht erkennbar, was er kostet und erst über eine Googlesuche erfährt man, daß Stayfriends innerhalb von 3 Jahren den Preis offenbar um 60 Prozent erhöht hat. Weitere Preissteigerungen nicht ausgeschlossen.

Angesichts dieser Intransparenz, die mich eher an die typische Internet-Abzockerklitsche erinnert, entscheide ich, daß Stayfriends noch ein bißchen auf meine Anmeldung warten muß.