Archive for the ‘Medien’ Category

Schuld, wohin wir schauen

6. August 2009

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt ein Sprichwort. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn sich jemand aus den Reihen der Globalisierungsgegner zu Wort meldet und seine Weisheit unters Volk zu streuen begehrt.

Jüngstes Beispiel: Martin Geiger vom WWF beklagt, daß wir Deutschen zuviel Wasser verbrauchen. Damit meint Geiger nicht etwa den persönlichen Wasserverbrauch des einzelnen – der ist in den letzten Jahren gefallen – sondern der Wasserverbrauch über die Produkte, die wir importieren, insbesondere Agrarprodukte wie Kaffee und Kakao aus Ländern z. B. der Dritten Welt. Dafür verwendet er die Metapher „Wasser-Fußabdruck“. Wen diese in ihrer Idiotie an den Orwell’schen Neusprech („Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“) erinnert – schließlich hinterläßt so ein Fuß, den man aus dem Wasser zieht, einen deutlichen und vor allem dauerhaften Abdruck im selbigen – liegt damit gar nicht so falsch.

Als Abhilfe gegen den vom WWF errechneten riesigen Wasserverbrauch schlägt Geiger unter anderem vor, die Erzeugerländer zu boykottieren und nur beim hiesigen Agrarproduzenten zu kaufen (und damit vermutlich demnächst seinen Kaffee und Kakao von deutschen Obstbauern zu beziehen). Womit er im Grunde die Sichtweise der Globalisierungsgegner übernimmt, nach der es falsch ist, in Indonesien genähte Turnschuhe zu kaufen, weil man damit die Ausbeuterlöhne der dortigen Betriebe unterstützt, egal wieviele Arbeiter damit in Lohn und Brot stehen. So bringt uns Geiger bei, daß wir mit unserer abendlichen Tasse heißer Schokolade in gleicher Weise den Grundwasserspiegel in Cote d’Ivoire schädigen.

Nun wären die Äußerungen Geigers nicht so schlimm, träfe er auf einen Journalisten, der derlei Zeug nicht einfach unreflektiert abdruckt. Gute Fragenkataloge an die Attac-Aktivisten und ihre Brüder im Geiste liefert gerne jeder Ökonom von Rang, so zum Beispiel Nobelpreisträger Paul Krugman, der in seinen Büchern gründlich mit dem Mythos von der Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Dritten Welt durch Kaufboykott aufräumt, im Gegenteil die Kontraproduktivität solcher Maßnahmen belegt.

Wem das Lesen von Ökonomiebüchern – und seien sie noch so kurzweilig geschrieben – zu anstrengend ist, möge sich die einfache Frage stellen, was eigentlich den Kakao anbauenden Bauern an der Elfenbeinküste ein ‚gesunder‘ Grundwasserspiegel nutzt, wenn keiner ihre Produkte kauft. Und ob sie – um dem Kaufboykott durch unsere ökologiebewußten Gutmenschen zu entgehen – stattdessen auf die Produktion weniger grundwasserintensiver, dafür politisch korrekter Erzeugnisse umsteigen sollen. Vielleicht Sonnenkollektoren oder Wärmetauscher?

Leider findet Geiger in Rolf Obertreis keinen Journalisten, der die Kunst der Nachfrage beherrscht. Stattdessen macht sich dieser ganz offenbar mit der Sache von Geiger gemein und verfällt genau in jenen nervenden Alarmismus, mit dem uns ein schlechtes Gewissen für so ziemlich jedes Vorkommnis zwischen Nord- und Südpol eingeflößt werden soll. Womit sich die „kritischen Warner“ natürlich als unser ökologisches Gewissen profilieren können, selbst wenn sie den allergrößten Blödsinn verzapfen.

Die Berliner Frau

6. August 2009

Sie hat sich ihr Männerbild – und vor allem ihr Selbstbildnis – aus den alten Brigitte-Zeitschriften ihrer Mutter zusammenphantasiert, weswegen sie sich jetzt als taffe, aber gleichzeitig warmherzige Vollblutfrau ansieht. Gleichberechtigung ist ganz wichtig. Natürlich nur solange, wie es sich nicht um die Jagd nach dem letzten Stück Parmesan im Kühlschrank handelt.

Sie ist in Berlin geboren. Das heißt, eigentlich ist sie nicht in Berlin geboren, sondern in einem kleinen 70 km entfernten Kaff, welches keine Sau kennt. Oder in einem 700 km entfernten Kaff irgendwo tief im Schwabenländle, welches keine Sau kennt. Spielt aber keine Rolle – das kleine Kaff ist in ihrer Vorstellung längst nach Berlin eingemeindet worden. Und darum ist sie eine waschechte Berlinerin. Zweifelt jemand daran?

Als echte Berlinerin hat sie Schnauze und Herz. Berliner Schnauze heißt ungefähr soviel wie: Sich über allgemeine Anstandsregeln hinwegsetzen, mit der Eleganz eines Rüsseltiers durch den sprachlichen Porzellanladen zu tanzen und dann mit den Schultern zu zucken und zu sagen „ick komm‘ halt aus Berlin, wa“. Und daß die Berlinerinnen ein Herz besitzen, werden – zumindest physiologisch – die wenigsten bezweifeln.

Der Berlinerin ist Status egal. Vor allem bei Männern. Sie steht allerdings auf Piloten und deswegen ärgert sie sich schwarz, wenn Berliner Männer ihr zwar verbal liefern, was sie verlangt, in Wirklichkeit aber keine 747 nach New York pilotieren, sondern beim Nachtsupermarkt an der Kasse sitzen. Solcher Frevel ist blitzschnell der Anlaß, ein bitterböses Essay über die Berliner Männer zu schreiben und in der Onlineausgabe einer großen deutschen Wochenzeitung zu veröffentlichen.

P.S.: In Wirklichkeit ist das oben geschriebene ein Haufen Bullenscheiße. Weder kenne ich die Berliner Frauen noch weiß ich, wie die so sind und ob man sie überhaupt über einen Kamm scheren kann. Aber da vorurteilsbehaftete Generalabrechnungen mittlerweile „in“ sind, schäme ich mich nicht. Oder nur ganz wenig.

P.P.S.: Berlinerinnen dürfen mir gerne schriftliche Abhandlungen darüber liefern, warum das oben geschriebene ein Haufen Bullenscheiße ist. Oder mich einfach wüst beschimpfen. Ich werde das dann unter „Berliner Schnauze“ verbuchen.

Willemsen interviewt Lobo

2. August 2009

Zwei eitle Selbstdarsteller reden und heraus kommt… nichts!

Mediale Übertreibung

4. Juli 2009

Wenn ich den Medien glauben darf, hatten wir gestern Weltuntergang. Nun bin ich genau zur Zeit des Weltuntergangs durch eben jenen gelaufen und mein Eindruck war: Ja, es kommt viel Wasser herunter, ja, es blitzt und donnert. Nein, ein Weltuntergang war es nicht. Eher ein normales Sommergewitter nach mehreren Tagen drückender Schwüle.

Will das Handelsblatt der ‚Bunten‘ Konkurrenz machen?

13. Juni 2009

Bisher hatte ich am Handelsblatt geschätzt, daß sie nicht den gleichen Weg wie Spiegel Online gehen, nämlich mit reißerischen Überschriften und einer immer stärkeren Gewichtung der Rubrik ‚Pornorama Panorama‘ in Richtung Boulevard. Daher hoffe ich auch, daß nicht mit diesem Artikel eine Trendwende eingeläutet wird.

Oder um es anders zu formulieren: Was Politiker in ihrem Privatleben machen, geht die Öffentlichkeit nach wie vor einen feuchten Schmutz an.

Ist die taz immun gegen die Zeitungskrise?

15. April 2009

In einem Artikel zum 30-jährigen Bestehen der taz kommt Michael Sontheimer, einer der Mitgründer, unter anderem zu folgender Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Lage:

„Da nur zehn Prozent der Einnahmen Anzeigenerlöse sind, perlt die aktuelle Medienkrise, die andere Zeitungen existenziell bedroht, an der „taz“ ab. Sie ist ein solides Unternehmen.“

Hier allerdings befindet sich Sontheimer meiner Ansicht nach in einem gefährlichen Irrtum. Zeitungen werden im Moment von zwei Seiten bedroht. Erstens von der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise, die für zurückgehende Anzeigenbuchungen aus der Wirtschaft sorgt. Davon sind Zeitungen wie die taz, die nur im geringen Maße mit Anzeigen Geld verdienen, in der Tat weniger betroffen.

Die zweite Front jedoch – und diese ist mittelfristig viel bedrohlicher – sind die zurückgehenden Abonnentenzahlen, resultierend aus der Tatsache, daß immer mehr Menschen sich ihre tägliche Newsration aus dem Internet holen. Mehr noch: Andere Zeitungen können wenigstens auf ihren Onlineportalen Anzeigen verkaufen. Vielleicht mit geringeren Erlösen als im Print, aber es bleiben Erlöse.

Eine Zeitung wie die taz hingegen, die fast auschließlich Geld mit ihren Lesern verdient, kann nur darauf hoffen, daß sie es schafft, ein Bezahlmodell im Internet zu etablieren. Dummerweise sind für „Pay-per-read“ im Internet die Aussichten mehr als düster, wie viele andere Publikationen zu ihrem Leidwesen erfahren mußten. Oder die taz lernt es nach 30 Jahren doch noch, Anzeigen an die Wirtschaft zu verkaufen. Und sie lernt es schnell.

Meinungsmüll

3. April 2009

Einen wohltuend unaufgeregten Artikel zum Thema alte und neue Medien gibt es bei der ZEIT zu lesen.

„Wie kannst Du nur die Schaeffler verteidigen?“

27. Februar 2009

Frage einer Freundin von mir: „Wieso verteidigst Du eigentlich so vehement diese Schaeffler-Sumpfschnepfe? Und das auch noch, wo die Blödzeitung ebenfalls…!“

Meine Antwort – sinngemäß (und nicht ganz so flüssig wie hier dargebracht): „Die Frau hat im vergangenen Jahr eine riskante Entscheidung getroffen, die sich nun als falsch erweist. Wenn sie jetzt eine staatliche Kreditbürgschaft beantragt, dann kann man das für falsch halten, aber man sollte Verständnis dafür aufbringen, daß sie versucht, ihre Firma zu retten. Von der sie ohnehin einen großen Teil an die Banken verlieren wird, wie es aussieht.“

„Und nebenbei – das Ausmaß, in dem sie von der Presse und auch der Blogosphäre schon fast mit blankem Hass angegriffen wird, das haben in der jüngeren Vergangenheit nur wenige Firmenmanager erfahren, allenfalls der Ackermann und der Zumwinkel, und das für ganz andere Handlungen. Nicht der Opelchef Demant, der ebenfalls ein paar Milliarden vom Staat haben will und der genau weiß, daß mindestens im Fall einer GM-Pleite ein Teil deutschen Steuergeldes seinen Weg in die USA finden wird. Nicht Commerzbankchef Blessing, der sein Institut blitzartig mit der ihm angetragenen Staatsknete ausstattete, sobald sie verfügbar war und der damit seine eigene, höchst wackelige Übernahme der Dresdner Bank absicherte. Noch nicht einmal Georg Funke, dessen Namen die wenigsten kennen und der dem deutschen Steuerzahler in Hauptverantwortung die 100-Milliarden-Scheiße mit der Hypo Real Estate eingebrockt hat, der trotzdem aber die Stirn hat, auf vollständige Auszahlung seiner Ruhebezüge zu klagen.“

„Und bei diesen ganzen persönlichen Angriffen unter der Gürtellinie, da frage ich mich wirklich, wieviel davon noch sachlichen Vorbehalten geschuldet ist und wieviel z.B. einer latent vorhandenen Frauenfeindlichkeit. Auch wenn ich gerne zugebe, daß für einen sesselfurzenden Lohnschreiberling, der im Leben noch keine Verantwortung für eine Firma getragen hat, eine Frau wie die Schaeffler schwer zu verkraften sein muß. Zumal, wenn sie in der Öffentlichkeit plötzlich Gefühle zeigt, wo sie das früher nicht getan hat.“

Kurze Pause. „Naja, so ganz unrecht hast Du nicht.“