Friedensnobelpreis 2014


Die 17jährige Malala Yousafzai hat den Friedensnobelpreis erhalten, weil sie als als junges Mädchen ihre Stimme für das Recht auf Bildung erhob und dafür von den Taliban in den Kopf geschossen wurde, ein Attentat, welches sie nur knapp überlebte. Ich könnte mir keine geeignetere Preisträgerin denken als sie.

Viele Sozialwissenschaftler und Historiker, darunter Hans Rosling und Steven Pinker, zeigen, dass es einen Königsweg gibt, um einer von Armut und Gewalt geprägten Gesellschaft eine Verbesserung ihrer Lebensumstände zu ermöglichen: Bildung für alle. Nicht nur qualifiziert sie die Menschen für besser bezahlte Arbeit. Bildung vermittelt auch einen rationaleren Blick auf die Dinge und sie bringt den Menschen andere Standpunkte nahe, was ihnen wiederum dabei hilft, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und Empathie für sie aufzubringen. Bildung sorgt auf diese Weise unmittelbar für Frieden.

Für exakt dieses Ideal stand Malala Yousafzai mit ihrem Leben ein. Dass sie trotz ihres jungen Alters und der vor dem Attentat ergangenen Drohungen sich nicht zum Schweigen bringen ließ und anschließend noch die Größe zeigte, den Attentätern zu verzeihen, macht die Preisverleihung an sie umso gerechtfertigter.

Unwürdig ist allerdings, was als Reaktion auf Yousafzais Ehrung in den Kommentarspalten der deutschen Nachrichtenportale zu lesen war. Da gibt es tatsächlich Menschen, die von Indoktrination oder Instrumentalisierung von Yousafzai fabulieren, die den Wert von Bildung kleinreden (warum wohl?) oder sie gar als schädlich bezeichnen. Es folgt eine kleine Auswahl von Zuschriften.

Kommentator „startrek1000“ bei SpOn:

Was zur Hölle hat dieses Mädchen für den Frieden getan, der im Namen des Preises enthalten ist. Schön sie war mutig, aber was bringt das den Leuten in Pakistan? Was helfen ein Nobelpreis für und ein Buch von diesem Mädchen den Bewohnern, die von den Taliban unterdrückt werden. Fazit: Der Nobelpreis ist komplett unbegründet verliehen worden. Außerdem halte ich den Hype um Malala für deutlich übertrieben.

Was Yousafzai für den Frieden getan hat, habe ich oben schon beschrieben. Und es erfordert meiner Ansicht nach nicht besonders viel Grips, um auf diese Verknüpfung von Bildung und Frieden zu kommen. Anscheinend sind manche aber schon damit überfordert.

„WolfHai“ bei ZEIT Online:

„Ist die Förderung der Bildung der Mädchen wirklich dem *Frieden* zuträglich? Mädchenbildung ist ein Schritt auf dem Weg der Modernisierung von Gesellschaften, und zwar eine Modernisierung in europäischem Sinne. Das schafft, wie wir in der arabischen Welt sehen, aber großen Unfrieden. Ist es die Aufgabe des Nobelkomitees, sich im innen- und religionspolitischen Kampf Pakistans um die richtige Modernisierung auf die Seite derer zu stellen, die eine Modernisierung in europäischem Sinne befürworten?“

Zu diesem Kommentar fallen mir viele Dinge ein, von denen die meisten allerdings nicht druckreif sind. Ich belasse es bei der Bemerkung, dass es sich um eine brunzdumme und widerwärtige Auffassung handelt, die dieser Herr vertritt.

„Blaukkolne“ bei ZEIT Online:

„Wer sagt denn, dass Bildung für Kinder an sich etwas so unumstritten Gutes ist? Wenn die Kinder von den falschen Leuten ihre „Bildung“ erhalten, werden sie indoktriniert und bekommen genau die falschen Ideen in den Kopf gesetzt.“

Ein Kommentar, der in die gleiche Richtung zielt wie der letzte. Und schon der normale Schulunterricht stellt nach Auffassung dieses Herrn Indoktrination dar. Welche Art von „Bildung“ er persönlich wohl bevorzugt?

„Rente mit 93“ bei ZEIT Online

Kleine Kinder, die überhaupt nicht begreifen können, für welche Politik sie einstehen und für welche kranke Ideologie sie missbraucht werden zu instrumentalisieren, ist wirklich das Niedrigste.

Bildung als „kranke Ideologie“, aha. Man ahnt, von welchem Bildungsniveau aus eine solche Aussage getroffen wird.

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Eine Antwort to “Friedensnobelpreis 2014”

  1. home slope Says:

    I couldn’t refrain from commenting. Exceptionally well written!

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