Religion und Homöopathie


Wer sich mit Haut und Haaren einem irrationalen Glaubenssystem verschreibt, wird auch sonst nicht unbedingt die Werte rationalen Denkens feiern. Diese nicht sonderlich überraschende Erkenntnis bestätigt sich mal wieder in einer ZDF-Fernsehdoku zum Thema „katholische Kirche und Homosexualität“, auf die ich über das Atheist Media Blog stieß.

Im aktuellen Beispiel finden christlicher Fundamentalismus und esoterischer Humbug so zielsicher zueinander wie ein Schwarm Klosettfliegen zu einer offenen Jauchegrube. Damit meine ich noch nicht einmal die im geistigen Mittelalter steckengebliebene Bachblütentrulla Gabriele Kuby, die an dieser Stelle ihrer verkorksten Sexualmoral die Zügel schießen lässt. Sondern gemeint ist vor allem der Münchner Arzt Gero Winkelmann, Gründer des Bundes katholischer Ärzte und Verfechter der Auffassung, dass Homosexualität eine Krankheit sei. Und womit will er diese heilen? Man ahnt es schon: Mit Zuckerkügelchen.

Und damit man auch gleich weiß, wo man bei ihm dran ist, schlägt er im Film mit wichtiger Miene ein Buch auf, welches ihm offenbar als Ersatzbibel dient, wenn er nicht gerade „Arme im Geiste, vom christlichen Glauben abgefallene Arztkollegen und verirrte Mitmenschen“ (Originalzitat von der BKÄ-Seite) auf den rechten Pfad der Tugend zurückführt: „Psyche und Homöopathie“ von Jean-Pierre Gallavardin aus dem 19. Jahrhundert.

Yepp, Winkelmann ist wirklich Arzt!

Er ist nicht allein bei seinem Feldzug für das, was er für Sitte und Moral hält. Sein Bund der Katholiban macht fleißig mit, wie schon der Focus im Mai feststellte. Allerdings konnte ich der vor Rechtschreibfehler strotzenden und jeder akademischen Bildung hohnsprechenden Webseite nicht entnehmen, wieviele ärztliche Mitstreiter er tatsächlich gefunden hat, um „provikante Fragen“ [sic] zu stellen. Aber das spielt auch keine Rolle. Zur Not kann er ja immer noch Zuckerpillen verteilen, ganz getreu dem Rat aus „Psyche und Homöopathie“:

Advertisements

5 Antworten to “Religion und Homöopathie”

  1. Muriel Says:

    Ich weiß nicht.
    Ich habe die Doku ja nicht gesehen, aber neigen religiöse Menschen wirklich auch sonst mehr zum Aberglauben?
    Mir scheint das auf Anhieb gar nicht so besonders plausibel.

  2. spritkopf Says:

    Nach meinen Erfahrungen ist es mindestens für die esoterisch Angehauchten so, dass sie an Jesus, an Engel oder sonstige Lichtwesen glauben. In der Licht-und-Liebe-Fraktion habe ich jedenfalls noch niemanden getroffen, der Atheist gewesen wäre.

    Den Umkehrschluss, dass jeder Strenggläubige im Krankheitsfall automatisch zum Heilquacktiker läuft, würde ich allerdings so nicht ziehen.

  3. Dominik Says:

    Aber auch gerade Menschen, die nichts mit einer Weltreligion am Hut haben, haben oft die Neigung Natur etc. pp zur Ersatzreligion emporzustilisieren.

  4. stephancologne Says:

    Dominik:

    Ich bin mir nicht sicher, wie dein Kommentar zu verstehen ist.

    Wie macht man aus der „Natur“ eine Ersatzreligion ?

  5. Earonn Says:

    Ach, ich hätte doch wissen müssen, dass so ein Kram mich nur wieder aufregt.
    Danke, dass Du das immer wieder thematisierst. Wer Sexualmoral aus den 50ern will, soll doch seinen Gott bitten, ihn in der Zeit zurückzuversetzen. Oder vielleicht ein Globuli aus gemahlener Eieruhr vertilgen…
    Ich bin froh, dass meine homosexuellen Freunde heute halbwegs offen und unbehelligt leben können, und so soll das auch bleiben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: