Weltwirtschaft und die kleine Insel


Mit leichter Verspätung *hüstel* folgt eine kleine Nachlese zu meinem Lanzarote-Urlaub im September.

Fester Bestandteil jedes Kanarenurlaubs ist es, per Bus von einer Ecke seines Urlaubsortes zu einer anderen transportiert zu werden. Dazu gehören die Fahrten zwischen Flughafen und Hotel jeweils am Anfang und Ende der Reise, dazu gehören verschiedene Inselbesichtigungstouren. Bei mir war das nicht anders.

Während dieser Touren fuhren wir immer wieder durch einen Vorort von Playa Blanca, der fast ausschließlich aus Einfamilienhäusern besteht. Beim ersten Mal fiel mir noch nichts auf. Die Häuser sehen adrett aus, die Gärten weisen fast kein Grün auf, aber OK, dies hier ist Lanzarote: eine Vulkaninsel mit wenig Wasser. Ich hatte zwar ein undefinierbares Gefühl, daß etwas nicht stimmt, konnte es aber nicht greifen.


Adrett…

Bei der nächsten Fahrt kam mir schlagartig die Erleuchtung: In keinem der Häuser stehen Möbel, die Fenster haben alle einen leichten Schmutzschleier und vor keinem einzigen Haus steht ein Auto. Und ich erinnerte mich, daß es zwar die USA waren, die die großen Schlagzeilen von der Immobilienkrise produzierten, daß aber auch in Spanien eine ähnliche Blase mit lautem Knall geplatzt war. Das, was ich hier sah, war eines der traurigen Überbleibsel. Die gesamte Siedlung ist unbewohnt.

… und leerstehend

Mit diesem Aha-Erlebnis achtet man plötzlich auf verschiedene Anzeichen, die man auf der ganzen Insel findet: Fertige Häuser, die mit den leeren Räumen und verschmutzten Fenstern wie eine Kopie aus der beschriebenen Siedlung aussehen. Oder Häuser in verschiedenen Baustadien, die von ‚Grundplatte gegossen‘ bis ‚fertig, aber noch keine Fenster drin‘ reichen – und an nicht einem Haus wird gearbeitet.

Lanzarote3
Vorführhaus: gefüllter Swimmingpool und Verkaufsplakat

Später erzählte die Reiseleiterin auf einer Inselbesichtigungstour, daß Lanzarote von der Immobilienkrise nicht so stark betroffen sei wie andere Gebiete von Spanien. Und ich frage mich, wie es in Restspanien aussehen muß, wenn ein komplett leerstehendes Viertel als „nicht so stark betroffen“ bezeichnet wird.

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10 Antworten to “Weltwirtschaft und die kleine Insel”

  1. spill Says:

    Hehe that, dachte gerade so nostalgisch an QUELLE und Lanzarote, waren da mal so als BademodenKnipsTeam unterwegs, so vor Jahren, Hotel Las Salinas.
    Manrique, der Godfather von der Insel, lud uns mal so zum Smalltalk in seine Höhlenwohnung ein >

    http://www.holidaycheck.de/data/urlaubsbilder/images/2/1155770308.jpg

    Also before der sich automäßig crashte dort.
    Dieser KünstlerTyp( Cesar Manrique-geile Sachen die der tat btw) setzte sich ja sehr erfolgreich gegen eine „Teneriffarisierung“ von Lanzarote ein.
    Ist es soo schlecht bestellt mittlerweile dort, wg.Immobilien?
    Hui, da zuckt die Geldbörse gerade.
    Lanzarote ist doch geil ey.

  2. spritkopf Says:

    Hehe, genau die Ansicht wie auf dem Bild müßte ich auch noch irgendwo auf meinem Fotoknipsi haben. Die Höhlenwohnung stand natürlich ebenfalls auf dem Programm. Und daß du noch dem Manrique persönlich die Flosse geschüttelt hast… wow. Wobei ich ja die Heldenverehrung um ihn ein bißchen überkandidelt finde, angesichts so mancher Kunstwerke, die eher nach Ikea, Tiefgeschoss für 5 Euro fuffzig, aussehen.

    Ich habe das Gefühl, der Immobilienmarkt dort ist total zusammengebrochen. Wenn du mal bei den örtlichen Maklern in die Schaufenster guckst, dann haben die nur zwei Preise: 205.000 Euro für die kleineren und 265.000 für die größeren Hütten. Aber ich könnte mir vorstellen, du gehst dahin mit einem Koffer mit 60.000 Schleifen drin, klappst den Koffer auf und sagst: „Du wollen haben? Dann hier unterschreiben!“ und dann gehört der Bunker dir.

  3. spill Says:

    Ja klar das ;-))
    Denke gerade an so meine ca. 20.000 Großbäckereien hier zu verkaufen, dann klappt’s auch mit dem Häuschen auf Lanza.
    Naja, so als Bonus noch diese Insel obendrauf….wie hieß die noch gleich ahja…“Australien“.
    Hat mir ein windiger Inselmakler neulich angedreht ey, total nix los da.
    Völlig überbezahlt das Teil, und Hautkrebs inclusive.
    Manrique war echt’n ganz cooler.
    Über dessen Pilder kann man sich streiten, aber auf Seine InselschutzInitiativen lass‘ ich nix kommen ey.
    Keine Ahnung wie das heute das heute da aussieht.

  4. spritkopf Says:

    Na, ich würde in Lanzarote nicht tot überm Zaun hängen wollen, geschweige denn mir ein Haus kaufen und dort leben. Einmal dagewesen, das ist ok, aber das reicht dann auch.

    Ich habe nix gegen Manriques Bilder, im Gegenteil, die finde ich teilweise ziemlich gut. Seinen Wohngeschmack hingegen finde ich leicht daneben. Also sich eine Wohnung in die Lava kloppen zu lassen, das ist ja noch eine witzige Idee, kann man machen, wenn man Geld hat. Aber sich dort Lampen reinzuhängen, die in ähnlicher Form schon in den 70er Jahren bei meiner Oma über dem Küchentisch hingen – also bitte. Ein Beispiel aus Wikipedia:

    Und im gelben Zimmer gabs welche, die waren noch schlimmer. Beim Fotografieren hat sich doch tatsächlich ein Riss in der Linse gebildet, deswegen habe ich kein Bild davon. ;-)

    Die Inselschutzinitiative ist immer noch in Kraft. Gebäudehöhen über 3 Stockwerke sind nach wie vor nicht erlaubt und das Zupflastern der Landschaft mit Werbeplakaten hält sich auch sehr in Grenzen.

  5. spill Says:

    Jawie machen die da jetzt Führungen ?
    So durch dessen Privatgemächer ?
    Sorry long time not been there.
    Jedenfalls gibt es da blinde Krebse, jawoll that. ;-)))

  6. schattenzwerg Says:

    das mit den leeren und unfertigen häusern hat meines erachtens (ähnlich wie in tunesien, da sieht das genau so aus) damit zu tun, dass man dann noch keine steuern etc pp zahlen muss, so lässt man sich halt zeit und spart für z.b. ne neue lampe ;)

  7. spritkopf Says:

    @spill: Die haben das Haus zu einem Museum umgebaut. Der einzige Raum, den man leider nicht besuchen kann, ist das Klo in der Lava. Und wenn ich gewußt hätte, daß die Krebse blind sind, hätte ich an der Knipse den Blitz eingeschaltet und mir nicht den Tort angetan von wegen „uuuuh, bloß nicht verwackeln…“. ;-)

    @schattenzwerg: Möglich. Aber wer die von mir beschriebene Siedlung dahin gestellt hat, wird die auch finanziert haben. Womit er unter einem gewissen Druck steht, die an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Mit Steuersparen hat das (glaube ich) nichts mehr zu tun.

  8. spill Says:

    Also mich tornen solch einsame Locations an.

  9. schattenzwerg Says:

    ja, ich finde solche leerstehenden gebäudekomplexe haben etwas, vor allem viel nostalgie :)

    nun ja, ich weiss es nicht wirklich woran es liegt, das dort so viel geld in den sand gestzt wurde ;) war nur ne idee *g

  10. mia Says:

    [Gelöscht wegen Linkspam]

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