Archive for Oktober 2009

Weltwirtschaft und die kleine Insel

26. Oktober 2009

Mit leichter Verspätung *hüstel* folgt eine kleine Nachlese zu meinem Lanzarote-Urlaub im September.

Fester Bestandteil jedes Kanarenurlaubs ist es, per Bus von einer Ecke seines Urlaubsortes zu einer anderen transportiert zu werden. Dazu gehören die Fahrten zwischen Flughafen und Hotel jeweils am Anfang und Ende der Reise, dazu gehören verschiedene Inselbesichtigungstouren. Bei mir war das nicht anders.

Während dieser Touren fuhren wir immer wieder durch einen Vorort von Playa Blanca, der fast ausschließlich aus Einfamilienhäusern besteht. Beim ersten Mal fiel mir noch nichts auf. Die Häuser sehen adrett aus, die Gärten weisen fast kein Grün auf, aber OK, dies hier ist Lanzarote: eine Vulkaninsel mit wenig Wasser. Ich hatte zwar ein undefinierbares Gefühl, daß etwas nicht stimmt, konnte es aber nicht greifen.


Adrett…

Bei der nächsten Fahrt kam mir schlagartig die Erleuchtung: In keinem der Häuser stehen Möbel, die Fenster haben alle einen leichten Schmutzschleier und vor keinem einzigen Haus steht ein Auto. Und ich erinnerte mich, daß es zwar die USA waren, die die großen Schlagzeilen von der Immobilienkrise produzierten, daß aber auch in Spanien eine ähnliche Blase mit lautem Knall geplatzt war. Das, was ich hier sah, war eines der traurigen Überbleibsel. Die gesamte Siedlung ist unbewohnt.

… und leerstehend

Mit diesem Aha-Erlebnis achtet man plötzlich auf verschiedene Anzeichen, die man auf der ganzen Insel findet: Fertige Häuser, die mit den leeren Räumen und verschmutzten Fenstern wie eine Kopie aus der beschriebenen Siedlung aussehen. Oder Häuser in verschiedenen Baustadien, die von ‚Grundplatte gegossen‘ bis ‚fertig, aber noch keine Fenster drin‘ reichen – und an nicht einem Haus wird gearbeitet.

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Vorführhaus: gefüllter Swimmingpool und Verkaufsplakat

Später erzählte die Reiseleiterin auf einer Inselbesichtigungstour, daß Lanzarote von der Immobilienkrise nicht so stark betroffen sei wie andere Gebiete von Spanien. Und ich frage mich, wie es in Restspanien aussehen muß, wenn ein komplett leerstehendes Viertel als „nicht so stark betroffen“ bezeichnet wird.

Die nächste Volte im Fall Opel

23. Oktober 2009

Ob etwas an den Spekulationen dran ist, GM wolle Opel doch nicht an Magna verkaufen und die staatlichen Beihilfen selbst einsacken, wird man sehen. Der Marke Opel kommt diese Kehrtwende – die wievielte eigentlich? – bestimmt nicht gelegen. Der Steuerzahler hingegen kann wieder hoffen, die laut Treuhänder Wennemer unabwendbare Pleite nicht mit vielen Milliarden Euro für ein paar Jahre hinauszögern zu müssen. Sollte GM wirklich Opel behalten wollen, lassen sich bestimmt genügend Gründe finden, das Staatsgeld zu versagen.

Allerdings bin ich nicht allzu zuversichtlich, daß die Regierung dafür clever genug ist. Schließlich ist man an die ganze Opel-Rettung so dilettantisch wie nur möglich herangegangen. Ob das nun die idiotische Aufgabe von Verhandlungspositionen durch Steinmeier war – ich bin überzeugt, daß das, was wir jetzt sehen, eine Spätfolge dessen ist – oder die frühzeitige Festlegung auf Magna, stets hat die Politik den Fokus mehr auf öffentliche Wirkung statt auf das Wohl des Unternehmens gelegt.

Sinnvoll wäre gewesen, Opel so aufzustellen, daß sie die bestmögliche Chance haben, den jetzigen Sturm zu überleben. Das hätte wesentlich härtere Entscheidungen im Hinblick auf Stellenstreichungen und Werksschließungen als das bedeutet, was im Magna-Konzept steht. Und so schlecht, wie Opel im Augenblick dasteht, gäbe es auch mit einem härteren Konzept keine Garantie, daß sie überleben. Aber es wäre immer noch besser als die Alternative, die uns Politik und Gewerkschaften zumuten wollen: den großen Geldzapfhahn aufzudrehen und damit den sicheren Tod um zwei Jahre hinauszuschieben.

Dem Betriebsratsvorsitzenden Franz, der mit Sicherheit genau weiß, wie es um Opel steht, ist die Geldverschwendung doch vollkommen wurscht. Seine Aufgabe ist, soviel wie möglich für seine deutschen Beschäftigten herauszuholen. Der würde auch 10 Milliarden aus des Steuerzahlers Taschen in dem Laden versenken, wenn er damit den Insolvenzantrag nur um ein halbes Jahr hinauszögert.

Schwimmen macht Spaß

18. Oktober 2009

Es macht Spaß, durchs Wasser zu pfeilen – viel schneller, als man es früher mit den heftigsten Paddelbewegungen zustandegebracht hätte. Man hört auf das Wasser, man spürt, wie es am Unterschenkel entlangstreicht und wie man immer noch unnötigen Widerstand erzeugt,  weil die Beine zu sehr hin- und herschlackern. Es bereitet unglaubliche Befriedigung, solange am Bewegungsablauf zu feilen, bis der Armzug einen nicht mehr um 5 cm aus dem Wasser hebt, sondern möglichst vollständig in Vortrieb umgesetzt wird.

Der angenehme Nebeneffekt sind 79 kg Gewicht bei 1,80 m, gute 10 kg weniger als im Juni.

Auch nicht schlecht

16. Oktober 2009

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Afghanistan

15. Oktober 2009

Ein sehr langer, aber lesenswerter Artikel über die Besetzung in Afghanistan findet sich in der Onlineausgabe der New York Times.

Rechtschreibprobleme in Hamburg

12. Oktober 2009

Es gibt vieles an Spiegel Online zu kritisieren. Daß sie mit leichter Hand Fakten und Meinung vermischen und dabei auch mal wichtige Fakten unterschlagen, wenn sie nicht in die Diktion des Artikels passen. Oder die typische Spiegel-Schreibe, die schon in den 80ern unter anderem von Wolf Schneider angeprangert wurde. Eines allerdings war – bisher jedenfalls – in den Artikeln aus Hamburg nahezu perfekt: Die Rechtschreibung.

Um so mehr fällt dieser Artikel auf. Man findet Kommafehler, ‚das‘ mit falschem Doppel-S und ein Bindestrich-Chaos wie der „Doe-Run Manager“ im Gegensatz zum „Doe Run-Besitzer“. Eine Sprachblüte wie diese ist die Krönung: „Ob das dem Milliardenschweren Doe Run-Besitzer Ira Rennert interessiert, bezweifelt Umweltaktivist Miguel Curi allerdings.“ [sic]

Spiegel, du läßt nach.

Tödliche Schönheit

8. Oktober 2009

Etwas anderes als diese abgedroschene Phase fällt mir nicht ein, wenn ich Marco Fullers Bilder vom Vulkan Krakatau sehe.

Der alte Krakatau verschwand 1883 in einer gewaltigen Explosion unter der Wasseroberfläche und verursachte dabei einen riesigen Tsunami, der 36.000 Menschen das Leben kostete. Seitdem hat sich ein neuer Vulkankegel über den Meeresspiegel erhoben und wächst ständig weiter. Die Wissenschaftler meinen zwar, daß die Wahrscheinlichkeit für einen verheerenden Ausbruch im Augenblick noch recht niedrig ist, jedoch räumen sie ein, daß ein solches Ereignis auch für die nähere Zukunft nicht komplett ausgeschlossen werden könne. Dafür allerdings liefert der rumorende Vulkan großartige Bilder.

Vorhersage

5. Oktober 2009

Ich wette, die Zitationsrate dieses Artikels wird in den nächsten Tagen drastisch ansteigen. Und nicht in wissenschaftlichen Kreisen. Ähem.