Schuld, wohin wir schauen


Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt ein Sprichwort. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn sich jemand aus den Reihen der Globalisierungsgegner zu Wort meldet und seine Weisheit unters Volk zu streuen begehrt.

Jüngstes Beispiel: Martin Geiger vom WWF beklagt, daß wir Deutschen zuviel Wasser verbrauchen. Damit meint Geiger nicht etwa den persönlichen Wasserverbrauch des einzelnen – der ist in den letzten Jahren gefallen – sondern der Wasserverbrauch über die Produkte, die wir importieren, insbesondere Agrarprodukte wie Kaffee und Kakao aus Ländern z. B. der Dritten Welt. Dafür verwendet er die Metapher „Wasser-Fußabdruck“. Wen diese in ihrer Idiotie an den Orwell’schen Neusprech („Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“) erinnert – schließlich hinterläßt so ein Fuß, den man aus dem Wasser zieht, einen deutlichen und vor allem dauerhaften Abdruck im selbigen – liegt damit gar nicht so falsch.

Als Abhilfe gegen den vom WWF errechneten riesigen Wasserverbrauch schlägt Geiger unter anderem vor, die Erzeugerländer zu boykottieren und nur beim hiesigen Agrarproduzenten zu kaufen (und damit vermutlich demnächst seinen Kaffee und Kakao von deutschen Obstbauern zu beziehen). Womit er im Grunde die Sichtweise der Globalisierungsgegner übernimmt, nach der es falsch ist, in Indonesien genähte Turnschuhe zu kaufen, weil man damit die Ausbeuterlöhne der dortigen Betriebe unterstützt, egal wieviele Arbeiter damit in Lohn und Brot stehen. So bringt uns Geiger bei, daß wir mit unserer abendlichen Tasse heißer Schokolade in gleicher Weise den Grundwasserspiegel in Cote d’Ivoire schädigen.

Nun wären die Äußerungen Geigers nicht so schlimm, träfe er auf einen Journalisten, der derlei Zeug nicht einfach unreflektiert abdruckt. Gute Fragenkataloge an die Attac-Aktivisten und ihre Brüder im Geiste liefert gerne jeder Ökonom von Rang, so zum Beispiel Nobelpreisträger Paul Krugman, der in seinen Büchern gründlich mit dem Mythos von der Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Dritten Welt durch Kaufboykott aufräumt, im Gegenteil die Kontraproduktivität solcher Maßnahmen belegt.

Wem das Lesen von Ökonomiebüchern – und seien sie noch so kurzweilig geschrieben – zu anstrengend ist, möge sich die einfache Frage stellen, was eigentlich den Kakao anbauenden Bauern an der Elfenbeinküste ein ‚gesunder‘ Grundwasserspiegel nutzt, wenn keiner ihre Produkte kauft. Und ob sie – um dem Kaufboykott durch unsere ökologiebewußten Gutmenschen zu entgehen – stattdessen auf die Produktion weniger grundwasserintensiver, dafür politisch korrekter Erzeugnisse umsteigen sollen. Vielleicht Sonnenkollektoren oder Wärmetauscher?

Leider findet Geiger in Rolf Obertreis keinen Journalisten, der die Kunst der Nachfrage beherrscht. Stattdessen macht sich dieser ganz offenbar mit der Sache von Geiger gemein und verfällt genau in jenen nervenden Alarmismus, mit dem uns ein schlechtes Gewissen für so ziemlich jedes Vorkommnis zwischen Nord- und Südpol eingeflößt werden soll. Womit sich die „kritischen Warner“ natürlich als unser ökologisches Gewissen profilieren können, selbst wenn sie den allergrößten Blödsinn verzapfen.

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Eine Antwort to “Schuld, wohin wir schauen”

  1. spill Says:

    Hochwasser.
    Hochwasser für alle.
    Besonders diese Dritt/Viertwelt könnte es doch brauchen ey. ;-)

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