Archive for April 2009

Ist die taz immun gegen die Zeitungskrise?

15. April 2009

In einem Artikel zum 30-jährigen Bestehen der taz kommt Michael Sontheimer, einer der Mitgründer, unter anderem zu folgender Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Lage:

„Da nur zehn Prozent der Einnahmen Anzeigenerlöse sind, perlt die aktuelle Medienkrise, die andere Zeitungen existenziell bedroht, an der „taz“ ab. Sie ist ein solides Unternehmen.“

Hier allerdings befindet sich Sontheimer meiner Ansicht nach in einem gefährlichen Irrtum. Zeitungen werden im Moment von zwei Seiten bedroht. Erstens von der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise, die für zurückgehende Anzeigenbuchungen aus der Wirtschaft sorgt. Davon sind Zeitungen wie die taz, die nur im geringen Maße mit Anzeigen Geld verdienen, in der Tat weniger betroffen.

Die zweite Front jedoch – und diese ist mittelfristig viel bedrohlicher – sind die zurückgehenden Abonnentenzahlen, resultierend aus der Tatsache, daß immer mehr Menschen sich ihre tägliche Newsration aus dem Internet holen. Mehr noch: Andere Zeitungen können wenigstens auf ihren Onlineportalen Anzeigen verkaufen. Vielleicht mit geringeren Erlösen als im Print, aber es bleiben Erlöse.

Eine Zeitung wie die taz hingegen, die fast auschließlich Geld mit ihren Lesern verdient, kann nur darauf hoffen, daß sie es schafft, ein Bezahlmodell im Internet zu etablieren. Dummerweise sind für „Pay-per-read“ im Internet die Aussichten mehr als düster, wie viele andere Publikationen zu ihrem Leidwesen erfahren mußten. Oder die taz lernt es nach 30 Jahren doch noch, Anzeigen an die Wirtschaft zu verkaufen. Und sie lernt es schnell.

HSH Nordbank und die Politik

8. April 2009

Politik ist ein schmutziges Geschäft, sagt eine bekannte Binsenweisheit. Dabei kommt ein Großteil der Flecken auf den Westen der Beteiligten erst mit viel Verspätung ans Tageslicht. Manche überhaupt nie.

Umso dankbarer muß man Werner Marnette, dem ehemaligen Wirtschaftsminister der Landesregierung Schleswig-Holstein sein, daß er die Geschehnisse rund um die HSH Nordbank, die zu seinem Rücktritt führten, schonungslos und zeitnah aufdeckt. Und umso besorgter angesichts des Dilettantismus und der Blauäugigkeit, mit der Ministerpräsident Carstensen und Finanzminister Wiegard in Sachen HSH agieren.

Erneut zeigt sich aber auch, wie schwer sich Politik-Quereinsteiger tun, die nicht ihre Instinkte für die dort üblichen Mechanismen in einer jahrelangen Parteikarriere schärfen konnten. Hierbei ist Werner Marnette nur das jüngste Beispiel in einer langen Reihe von Kandidaten, die vorzeitig zurücktraten (oder zurückgetreten wurden), von denen die bekanntesten der Computer-Unternehmer Jost Stollmann und der Steuerrechtler und ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof waren. Gescheitert sind sie zumeist an der Tatsache, daß unangenehme Wahrheiten im politischen Tagesgeschäft nicht erwünscht sind, schon gar nicht öffentlich.

Dazu passend eine Statistik, welche Berufe besonders vertrauenerweckend sind – und welche nicht. An allerletzter Stelle und noch hinter dem Gebrauchtwagenverkäufer: der Politiker.

P.S.: HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher sieht genauso schmierig aus, wie man ihn sich nach den Interviews von Werner Marnette vorstellt.

Manche lernen es nie

4. April 2009

Muß man eigentlich eine Art Deppennachweis erbringen, um bei Lidl Manager spielen zu dürfen? So dämlich kann doch keiner sein.

Offenbar doch.

Meinungsmüll

3. April 2009

Einen wohltuend unaufgeregten Artikel zum Thema alte und neue Medien gibt es bei der ZEIT zu lesen.