Facts & Fiction


Opel und General Motors haben in den letzten Wochen viel Kritik von Politik und Medien einstecken müssen. Offensichtlich fühlt man sich ungerecht behandelt, denn GM Europa hat eine Webseite mit dem Namen Facts & Fiction ins Netz gestellt, die mit Falschinformationen um Opel und GM aufräumen soll. Diese ist sowohl in Englisch wie auch in Deutsch verfügbar.

Zitat von der Eingangsseite: „Bei GM Europe Facts & Fiction geht es weder um unsere Interpretation noch um unsere Propaganda. Es geht auch nicht um unsere Meinung oder unsere Perspektive. Jedem populären Mythos setzen wir Fakten entgegen – klar und einfach.“

Keine Firmenmeinung, keine Interpretation, nur objektiv überprüfbare Fakten – das läßt wenig Spielraum zur Auslegung. Prüfen wir also anhand des ersten Eintrages, ob GM diesem eigenen Anspruch gerecht wird (Zitate aus dem Eintrag sind kursiv gesetzt).

Fiktion: GM Europe/Opel-Vauxhall hat keinen wirklichen Rettungsplan

Fakt: GM Europe hat einen umfassenden Plan vorgelegt der klar aufzeigt wie die Marken Opel und Vauxhall in Europa erfolgreich sein können.

Der Plan beinhaltet eine Übersicht der herausragenden neuen Produkte, die jetzt auf dem Markt sind, darunter der Insignia, Europas Auto des Jahres 2009.

Den Insignia könnte man angesichts seines Titels „Auto des Jahres“ noch mit viel gutem Willen als objektiv „herausragendes Produkt“ bezeichnen. Für den Rest der Produktpalette verstößt man jedoch klar gegen den selbstgewählten Anspruch: Meinung und nicht Fakt.

Davon abgesehen hätte es für eine Produktübersicht genügt, einen Katalog von Opel beizulegen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Dazu gehört auch eine breite Übersicht über all jene Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren folgen sowie über die immensen Investitionen, die GM Europe im Hinblick auf moderne Antriebstechnologie plant.

Selbstverständlich ist die Planung der kommenden Fahrzeugtypen wichtig, allerdings wäre angesichts der „immensen Investitionen“ die Information noch wichtiger, ob diese finanziell überhaupt gestemmt werden können. Jedoch kein Wort hierzu.

Die Finanzanalyse zeigt auf, wie die gesamte Industrie unter dem katastrophalen Nachfrageeinbruch im Zuge der Banken- und Kreditkrise leidet

Natürlich. GM und Opel sind in keiner Weise an ihren Schwierigkeiten schuld.

und was getan werden muss, um die Produktion der neuen Realität des Marktes anzupassen.

Es interessiert mich ehrlich, was die Strategen von Opel und GM an dieser Stelle in den Plan hineingeschrieben haben. Nennt man die Wahrheit beim Namen und sagt, wieviel an Überkapazität wirklich abzubauen wäre, um wieder profitabel zu werden? Oder nimmt man Rücksichten auf die öffentliche Meinung und die Befindlichkeiten der Herren Koch und Rüttgers sowie des Betriebsratsvorsitzenden Franz, deren Schützenhilfe man in den folgenden Verhandlungen noch dringend benötigt?

Es ist ein Plan, der auf 110 Jahren Automobiltradition aufbaut und der eine positive Zukunft aufzeigt, in die sich zu investieren lohnt.

Fakten? PR-Geschwafel.

Er beschreibt ein neues, unabhängiges europäisches Unternehmen, das mit der weltweiten Technologie und der Produktvielfalt von General Motors vernetzt ist, aber vollständig in Europa geführt und gemanagt wird.

Also Abkehr von der bisherigen Praxis, amerikanische Manager für ein paar Jahre auf die europäische Spielwiese zu schicken, damit diese sich im „feindlichen Ausland“ beweisen (und dabei in Unkenntnis des europäischen Marktes mehr Schaden als Nutzen anrichten). Wenn GM es denn so umsetzt.

Es sorgt für marktführende Fahrzeuge und wegweisende Technologien und bewahrt die Rolle von Opel/Vauxhall als Motor für Arbeitsplätze und ökonomischen Fortschritt in ganz Europa.

Aha, wieder ein Blick in die Kristallkugel. Leider auch nicht bei großzügigster Auslegung als Fakten zu interpretieren.

Interessant ist nicht nur, was GM im obigen Beitrag an Fakten (oder auch Nicht-Fakten) aufführt. Noch interessanter ist, was sie weglassen. Sie erwähnen nicht, inwieweit Finanzplanungen aufgeführt sind, anhand derer sich die Überlebensfähigkeit von Opel abschätzen ließe. Und da die Bundesregierung sich bitter darüber beklagt hat, daß der Plan vollkommen unzulänglich sei, wird eine belastbare Finanzvorschau nicht nur hier, sondern auch im Plan selbst gefehlt haben.

Die Bundesregierung ist nämlich, was Opel anbetrifft, in einer ähnlichen Position wie eine Bank. Sie soll eine Bürgschaft auf zukünftige Kredite an Opel abgeben und dafür muß sie wissen, ob der Kreditnehmer in der Lage sein wird, das geliehene Geld auch zurückzuzahlen. Dazu hätte eigentlich dieser Plan dienen sollen. Fehlen jedoch die notwendigen Informationen, kann sie kein Urteil treffen. Und ohne Urteil gibts kein Geld.

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