Archive for März 2009

Was wollte uns der Spammer sagen?

29. März 2009

Betreff: grovellerss anastomosis makes leadenness

guerdon reaasons grovellers zirconia

Keine leuchtenden Produktschilderungen, kein Link zum Sofortkauf, nur dieser schon fast dadaistisch anmutende Textschnipsel.

Wir antworten mit einem zustimmenden „Ommmmmmmmm…“.

Facts & Fiction – Teil 2

22. März 2009

Wie bereits gesehen, hält sich GM auf seiner Webseite Facts & Fiction entgegen ihrer Ankündigung nicht immer an die reinen Facts. Wenn es nur das wäre.

Manche Einträge lassen einen zutiefst ratlos zurück. Wie dieser:

Fiktion: GM hat Opel-Patente (geistiges Eigentum) verkauft oder im Zuge der Kreditvereinbarung mit der amerikanischen Regierung verpfändet.

GM bezeichnet also den Verkauf bzw. die Verpfändung als Fiktion. Nach den Gesetzen der Logik kann das nur bedeuten, daß GM keine Opel-Patente verkauft oder verpfändet hat und dieser Artikel auf faz.net dummes Zeug ist. Oder?

Fakt: GM hat keine Angaben darüber gemacht, welche Sicherheiten das Unternehmen als Pfand in die Kreditvereinbarungen mit der amerikanischen Regierung eingebracht hat.

Äh, wie bitte…?

Eine neue, selbstständigere Opel-Organisation würde weiterhin vollen Zugang zu den Patenten des Unternehmens GM haben, um jetzt und in der Zukunft Produkte entwickeln zu können. Es ist davon auszugehen, dass es keinen negativen Einfluss auf einen solchen Zugang geben wird, sollte GM zu einem US–Insolvenzverfahren nach Chapter 11 gezwungen sein.

Ratenweise Bestätigung durch fortgesetztes Dementi?

Facts & Fiction

22. März 2009

Opel und General Motors haben in den letzten Wochen viel Kritik von Politik und Medien einstecken müssen. Offensichtlich fühlt man sich ungerecht behandelt, denn GM Europa hat eine Webseite mit dem Namen Facts & Fiction ins Netz gestellt, die mit Falschinformationen um Opel und GM aufräumen soll. Diese ist sowohl in Englisch wie auch in Deutsch verfügbar.

Zitat von der Eingangsseite: „Bei GM Europe Facts & Fiction geht es weder um unsere Interpretation noch um unsere Propaganda. Es geht auch nicht um unsere Meinung oder unsere Perspektive. Jedem populären Mythos setzen wir Fakten entgegen – klar und einfach.“

Keine Firmenmeinung, keine Interpretation, nur objektiv überprüfbare Fakten – das läßt wenig Spielraum zur Auslegung. Prüfen wir also anhand des ersten Eintrages, ob GM diesem eigenen Anspruch gerecht wird (Zitate aus dem Eintrag sind kursiv gesetzt).

Fiktion: GM Europe/Opel-Vauxhall hat keinen wirklichen Rettungsplan

Fakt: GM Europe hat einen umfassenden Plan vorgelegt der klar aufzeigt wie die Marken Opel und Vauxhall in Europa erfolgreich sein können.

Der Plan beinhaltet eine Übersicht der herausragenden neuen Produkte, die jetzt auf dem Markt sind, darunter der Insignia, Europas Auto des Jahres 2009.

Den Insignia könnte man angesichts seines Titels „Auto des Jahres“ noch mit viel gutem Willen als objektiv „herausragendes Produkt“ bezeichnen. Für den Rest der Produktpalette verstößt man jedoch klar gegen den selbstgewählten Anspruch: Meinung und nicht Fakt.

Davon abgesehen hätte es für eine Produktübersicht genügt, einen Katalog von Opel beizulegen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Dazu gehört auch eine breite Übersicht über all jene Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren folgen sowie über die immensen Investitionen, die GM Europe im Hinblick auf moderne Antriebstechnologie plant.

Selbstverständlich ist die Planung der kommenden Fahrzeugtypen wichtig, allerdings wäre angesichts der „immensen Investitionen“ die Information noch wichtiger, ob diese finanziell überhaupt gestemmt werden können. Jedoch kein Wort hierzu.

Die Finanzanalyse zeigt auf, wie die gesamte Industrie unter dem katastrophalen Nachfrageeinbruch im Zuge der Banken- und Kreditkrise leidet

Natürlich. GM und Opel sind in keiner Weise an ihren Schwierigkeiten schuld.

und was getan werden muss, um die Produktion der neuen Realität des Marktes anzupassen.

Es interessiert mich ehrlich, was die Strategen von Opel und GM an dieser Stelle in den Plan hineingeschrieben haben. Nennt man die Wahrheit beim Namen und sagt, wieviel an Überkapazität wirklich abzubauen wäre, um wieder profitabel zu werden? Oder nimmt man Rücksichten auf die öffentliche Meinung und die Befindlichkeiten der Herren Koch und Rüttgers sowie des Betriebsratsvorsitzenden Franz, deren Schützenhilfe man in den folgenden Verhandlungen noch dringend benötigt?

Es ist ein Plan, der auf 110 Jahren Automobiltradition aufbaut und der eine positive Zukunft aufzeigt, in die sich zu investieren lohnt.

Fakten? PR-Geschwafel.

Er beschreibt ein neues, unabhängiges europäisches Unternehmen, das mit der weltweiten Technologie und der Produktvielfalt von General Motors vernetzt ist, aber vollständig in Europa geführt und gemanagt wird.

Also Abkehr von der bisherigen Praxis, amerikanische Manager für ein paar Jahre auf die europäische Spielwiese zu schicken, damit diese sich im „feindlichen Ausland“ beweisen (und dabei in Unkenntnis des europäischen Marktes mehr Schaden als Nutzen anrichten). Wenn GM es denn so umsetzt.

Es sorgt für marktführende Fahrzeuge und wegweisende Technologien und bewahrt die Rolle von Opel/Vauxhall als Motor für Arbeitsplätze und ökonomischen Fortschritt in ganz Europa.

Aha, wieder ein Blick in die Kristallkugel. Leider auch nicht bei großzügigster Auslegung als Fakten zu interpretieren.

Interessant ist nicht nur, was GM im obigen Beitrag an Fakten (oder auch Nicht-Fakten) aufführt. Noch interessanter ist, was sie weglassen. Sie erwähnen nicht, inwieweit Finanzplanungen aufgeführt sind, anhand derer sich die Überlebensfähigkeit von Opel abschätzen ließe. Und da die Bundesregierung sich bitter darüber beklagt hat, daß der Plan vollkommen unzulänglich sei, wird eine belastbare Finanzvorschau nicht nur hier, sondern auch im Plan selbst gefehlt haben.

Die Bundesregierung ist nämlich, was Opel anbetrifft, in einer ähnlichen Position wie eine Bank. Sie soll eine Bürgschaft auf zukünftige Kredite an Opel abgeben und dafür muß sie wissen, ob der Kreditnehmer in der Lage sein wird, das geliehene Geld auch zurückzuzahlen. Dazu hätte eigentlich dieser Plan dienen sollen. Fehlen jedoch die notwendigen Informationen, kann sie kein Urteil treffen. Und ohne Urteil gibts kein Geld.

Double standards

21. März 2009

Welchen Unterschied gibt es eigentlich für Arbeitsminister Olaf Scholz zwischen den Arbeitnehmern bei Schaeffler, die von einer Milliardärin im Nerzmantel geleitet werden und den Arbeitnehmern bei Opel, die einen Mutterkonzern haben, der darauf zockt, daß man seine deutsche Tochter im Bundestagswahljahr schon nicht pleitegehen lassen wird?

Von den trickreichen Steuervermeidungskonstrukten zwischen GM und Opel wollen wir erst gar nicht anfangen.

Alfa Romeo MiTo

21. März 2009

Alfa Romeo hat einen Kleinwagen vorgestellt, der durch ein geschmackvolles Design besticht – wie fast alle Autos von Alfa. Sein Name aber geht gar nicht. MiTo heißt das gute Stück, eine zusammengesetzte Abkürzung der Städte Milano und Torino. Nicht nur der englische Muttersprachler wird da sofort die gedankliche Verbindung zu Me Too knüpfen.

Und das ist ja leider das Merkmal von Alfa: Sie sind irgendwie auch auf dem Markt präsent, aber keiner kauft ihre Autos. Abgesehen natürlich von einigen Art Directors kleinerer Werbeagenturen, die bereit sind, dem schönen Schein den angemessenen Tribut in Form von wiederholter Inanspruchnahme des ADAC-Pannendienstes zu zollen*.

(*zumindest wenn man der ADAC-Pannenstatistik glauben darf)

HRE-Gesetz

20. März 2009

Hier ein lesenswerter Artikel zur Enteignung des amerikanischen Investors J. C. Flowers bei der Hypo Real Estate und warum das nicht unbedingt einem Tabubruch gleichkommt, sondern einer oftmals gesehenen Praxis auf den Finanzmärkten.

Erwähnen könnte man in diesem Zusammenhang auch das Standardinstrumentarium von Firmenraidern, mit dem diese die Macht bei hochverschuldeten Unternehmen übernehmen. Sie kaufen billig deren Kredite auf, stellen sie fällig und wandeln sie anschließend in Eigenkapital, um mit diesen neu hinzugewonnenen Stimmrechten die Altaktionäre aus dem Unternehmen zu drücken.

Nur daß das, was der deutsche Steuerzahler gerade kauft, keine billigen Kredite sind.

Schuldzuweisungsmechanismen

16. März 2009

Es verdichten sich die Hinweise, daß beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs das Abpumpen des Grundwassers mindestens zu einem wesentlichen Teil zu dem Unglück beigetragen hat.

Nun stellen die Stadt Köln und die KVB voller Erstaunen fest, daß die mit dem Bau der Kölner U-Bahn beauftragten Unternehmen wesentlich mehr Grundwasser abgepumpt haben als erlaubt. Nicht nur, daß die erlaubte Menge pro Stunde um bis zu zwei Drittel überschritten worden sei, es seien auch viel mehr Brunnen als genehmigt gebohrt worden. Außerdem hätten die beteiligten Firmen die Brunnentagebücher, in denen die Abpumpmengen festgehalten werden, nicht wie vereinbart in Eigeninitiative eingereicht. Man habe diese nach dem Einsturz erst gesondert anfordern müssen.

Ein ehemaliger Kölner Baudezernent wundert sich, daß man nicht Techniken wie Unterwasserbeton und Vereisung eingesetzt hat. Ich wundere mich, warum die Brunnentagebücher nicht regelmäßig angefordert wurden. Nein, eigentlich wundere ich mich nicht.

Wer schon öfter mit Preis- und Leistungsverhandlungen – nicht nur in der Industrie, auch mit öffentlichen Auftraggebern – zu tun hatte, kennt die Mechanismen, die sich da abgespielt haben könnten:

  1. Wenn es um den Einkauf geht, kann es einigen Auftraggebern nicht billig genug sein. Vermutlich hatten aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse in Köln einige oder sogar alle Anbieter die vom ehemaligen Baudezernenten genannten Techniken im Angebot stehen.
  2. Der Kunde fragt (oder vielmehr drängt), ob es nicht preisgünstiger ginge.
  3. Die Anbieter bringen die billigere, aber kritischere Lösung ins Spiel. Sie erläutern dem Kunden die damit verbundenen Probleme. Beziehungsweise sie versuchen es.
  4. Der Kunde sagt in etwa, daß er das gar nicht wissen will. Sie sollen gefälligst eine machbare Lösung präsentieren, die billiger ist. Spätestens an diesem Punkt weiß jeder Anbieter, daß er aus dem Rennen ist, wenn er jetzt noch mit der teureren Lösung aufwartet.
  5. Es wird ein Angebot „nach Kundenwunsch“ erstellt, auf dessen Basis der Auftrag vergeben wird.
  6. Während der Auftragsabwicklung werden die kritischen Punkte von beiden Seiten weiträumig umschifft. Nur ja keine schlafenden Hunde wecken.

Geht dann etwas schief, fängt der SPPP* an. Der Kunde fragt baß erstaunt, wie das passieren konnte. Der Auftragnehmer – im Bewußtsein, daß er noch weitere Geschäfte mit dem Kunden machen will – verzichtet darauf, diesem unter die Nase zu reiben, daß er während der Vertragsverhandlungen auf die Probleme hingewiesen hat. Stattdessen macht er unvorhersehbare Umstände verantwortlich. Zudem weiß er genau, daß er die Lösung als machbar verkauft hat und damit die Verantwortung trägt. Egal, wie sehr um den Preis gefeilscht wurde und egal, daß die andere – sichere – Lösung vom Kunden nie den Zuschlag erhalten hätte.

P.S.: Die genannten Mechanismen lassen sich auch gut im privaten Umfeld beobachten. Zum Beispiel beim Einkauf bei schwedischen Möbeldiscountern in Gestalt von Furnierablösungen und/oder herausbrechenden Spaxschrauben aus dem Spanplattenkorpus sowie darauffolgenden Verkäuferbeschimpfungen.

*Schwarzer-Peter-Ping-Pong

Update: So langsam kommen Details zu den Preisverhandlungen ans Tageslicht. Bisher nur zu denen mit den Baugutachtern.

Zauberhaft tief in Brasiliens Wäldern

10. März 2009

Die neueste Entwicklung im Internetmarketing: Spammer mit einfühlsamen Werbetexten jenseits der „Rock hard erections“ Brachialrhetorik.

— schnipp —

Re:Die zauberhafte Senkung des Gewichts.

Den letzten Durchbruch im Gewichtsverlust!

Empfohlen und gezeigt auf der Show Oprah:

Sehr tief sammeln in den Wäldern Brasiliens, die wunderbaren Früchte, die Ihnen helfen Ihr überflüssiges Gewicht leicht zu regulieren und und es ist sicher

Verlieren Sie 50 poounds für etwas Wochen. Merkwürdig? Unglaublich?

Den Skeptischen? Es hat die Bedeutung nicht, weil jetzt Sie es PROBIEREN KÖNNEN ist UMSONST!!

Hier können Sie das WUNDERBARE Lebensmittel FÜR den Gewichtsverlust prüfen ist OHNE Geld ABSOLUT!

— schnapp —

Die nächste Stufe ist auch schon in Planung: Werbetexte auf Deutsch.