Opel-Rettung


Viel hört man zur Zeit über eine Trennung von Opel und General Motors. Da treten Politiker und Gewerkschafter auf öffentlichen Belegschaftsversammlungen auf und fordern die Eigenständigkeit von Opel. Da reisen Landesfürsten in die USA, um direkt mit dem GM-Vorstandsvorsitzenden zu verhandeln (worüber eigentlich?). Da werden Wunschvorstellungen geäußert, welcher andere Autobauer als Neueigentümer am liebsten sei und es wird gemutmaßt, wer sich denn Opel überhaupt leisten könne. Da fliegen Finanzbedarfe durch den Raum, die Opel für die nächste Zeit zum Überleben bräuchte (wobei der Zeitraum „die nächste Zeit“ leider nicht präzisiert werden kann). Da wird räsoniert, ob das Überleben von Opel per Staatsbürgschaft, per Regierungskredit oder direkt per Staatsbeteiligung sichergestellt werden sollte (oder auch nicht).

Die beiden wichtigsten Punkte bleiben allerdings offen. Wieviel Geld will GM für einen Verkauf von Opel sehen? Wo bleiben die Bilanzen der letzten fünf Jahre für Opel? Bevor diese Punkte nicht offengelegt sind, hat es keinen Sinn, die Loslösung zu diskutieren. Ansonsten hat man null Chancen, die künftige Profitabilität oder auch nur Überlebensfähigkeit von Opel abschätzen zu können.

GM wird diese Informationen nicht freiwillig geben wollen. Bietet es ihnen doch eine viel bessere Verhandlungsposition, wenn zuerst die Entscheidung zur Rettung von Opel fällt und erst anschließend darüber diskutiert wird, was es kostet. Verwunderlich ist allerdings, daß niemand auf deutscher Seite echten Druck macht, diese Punkte auszuräumen.

Das von der Bundesregierung geforderte Konzept, welches GM zur Zukunft von Opel beibringen soll, wird nicht viel Erhellendes zum Thema beitragen. Hat GM doch ein ähnliches Konzept zu seinem eigenen Überleben der amerikanischen Regierung vorgelegt. Da stand drin, was die amerikanischen Abgeordneten vermutlich hören wollten (Kostenreduzierung in der Produktion, umweltgerechte Fahrzeuge, weniger Konzernmarken), aber alles mit großen Wenns und Abers behaftet und mit teilweise lächerlichen Annahmen wie beispielsweise einer Rückkehr zur Profitabilität innerhalb von zwei Jahren und einer Rückführung aller gewährten und noch zu gewährenden Kredite innerhalb der nächsten fünf Jahre. Es ist nicht zu erwarten, daß ein Opelkonzept viel schlüssiger sein wird.

Update: So langsam kommen die zu schluckenden Kröten ans Tageslicht.

5 Antworten to “Opel-Rettung”

  1. Gregor Keuschnig Says:

    Die Opel-Hysterie ist im Wahljahr natürlich nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch zu sehen.

    Wenn sich Steinmeier entblödet, eine flammende Rede zu halten (Schröder-Tonfall!) und die hervorragenden Mitarbeiter lobt und die Super-Marke Opel herausstellt, so frageeich mich, wieviel Alkohol dieser Mann getrunken haben muss. Wer fährt in seinem Bekanntenkreis einen Opel? Welches „Image“ hat Opel in Deutschland? Und warum dauert es drei Monate, bis die Opelaner ein Konzept vorlegen? Wie abgestimmt ist es mit GM bzw. wie abgestimmt sollte es sein?

    Aber all diese Fragen werden immer weiter in den Hintergrund geschoben werden; keine Bundesregierung kann sich 25.000 arbeitslose Opelaner leisten (plus die ganzen Zulieferer).

    [Nur zur Info: Meine Frau fährt einen Opel Corsa; der Wagen ist acht Jahre alt und wir sind damit seit sechs Jahren zufrieden. Scheiss auf’s Image.]

  2. spritkopf Says:

    So schlecht finde ich Opel nicht. Müßte ich mir demnächst einen Kombi kaufen, so käme der Astra bestimmt in die engere Wahl. Das Auto ist preisgünstig und qualitätsmäßig lange nicht mehr auf dem grottigen Niveau wie noch zu Lopez‘ Zeiten.

    Als „Petrolhead“ gefällt mir das auf gnadenloses Untersteuern ausgelegte Fahrwerk des Astra natürlich weniger. Das wäre aber nicht so schlimm, da für den Fahrspaß ein entsprechendes Spielzeug in der Garage steht (übrigens mit einem unkaputtbaren Opelmotor unter der Haube).

    Du hast aber recht – die Frage ist, ob Opel eine reelle Chance zum Überleben hat. Und die hängt leider nicht von der Sympathie oder Antipathie von einzelnen Personen zur Marke ab.

  3. Das Küchenschaben-Prinzip « Spritkopf Says:

    […] Überraschungen noch alles in Rüsselsheims dunklen Ecken lauern, zumal ich mir sicher bin, daß die Bundesregierung noch immer keine Bilanzen vergangener Jahre erhalten hat. Und man fragt sich, wer angesichts dieses Desasters noch auf Opels Überleben wetten würde. Ich […]

  4. Opel-Bilanzen « Spritkopf Says:

    […] By spritkopf Hat ja lang genug gedauert, bis mal jemand […]

  5. Opel-Rettung « Spritkopf Says:

    […] wenn man sich die Opel-Kennzahlen der letzten Jahre hernimmt, etwas, mit dem meiner Ansicht nach viel zu lange gewartet […]

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