Layoutexperimente bei der Zeit


Die Zeit ist eine der Onlinepublikationen, die mir vom Layout her am besten gefallen. Nicht die Eingangsseite, diese ist mir eine Spur zu unübersichtlich. Das Artikellayout selber ist jedoch dezent gestaltet und man hat schon aufgrund der Schriftwahl das Gefühl, daß der Text das Wichtigste darstellt.

Besonders schätze ich die Möglichkeit, längere Texte auf einer Seite darzustellen. Es hemmt meinen Lesefluß ungemein, wenn ich mich mitten in einem Gedankengang des Autors befinde und dieser unterbrochen wird, weil sich eine neue Seite inklusive der darauf befindlichen ladezeitfressenden Werbebildchen aufbauen muß. Alles auf einer Seite zusammengefaßt liest man den Artikel in einem Rutsch, genauso wie man es von der Tageszeitung oder von einem Buch gewohnt ist.

Umso schlimmer finde ich, daß der Artikel Letzte Chance der heutigen Onlineausgabe, der sich mit der EU-Verfassung befaßt, nur als sogenannte Bildergalerie vorliegt. Das heißt, man liest mehr oder weniger kurze Textschnipselchen, daneben finden sich computergenerierte Grafiken, deren hanebüchene Aussagelosigkeit regelrecht ins Gesicht springt. Den kompletten Text auf einer Seite zusammenzufassen ist nicht möglich, ein Lesefluß will so nicht zustandekommen.

Was sich der zuständige Redakteur gedacht hat, begreife ich nicht. Meint man auch schon bei der Zeit, daß die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen immer kürzer wird und lange Texte daher das Publikum überfordern? Dann hätte der Autor vielleicht den Artikel im Ganzen auf Bildzeitungsniveau kürzen oder – besser noch – sich die Frage stellen sollen, für welche Art Leserschaft man eigentlich schreibt. Oder war das ein untauglicher Versuch, einen Text durch Bilder aufzulockern? Dann hätte man vielleicht nicht diesen ärgerlichen und bedeutungslosen Pixelmüll nehmen sollen.

Ein Detail am Rande ist da nur noch, daß der Text auf einigen Seiten zur Hälfte durch eine Werbeeinblendung verdeckt wird, die sich auch nicht wegklicken läßt (diese Einblendung kommt unregelmäßig und ist nicht reproduzierbar). Warum die werbenden Firmen mit dieser Art Leseblockade glauben, Sympathiepunkte beim Publikum zu gewinnen, die sie vorher durch ihren Service verloren haben, ist mir schleierhaft. Ja, Ihr Dumpfbacken von der Deutschen Bahn, Ihr seid gemeint!

Es hat schon seinen Grund, daß ich mich mit der eigentlichen Textaussage nicht befasse. Über die Art der Artikelpräsentation habe ich mich schon genug geärgert.

Nachtrag: Die Werbeeinblendung war/ist offenbar ein generelles Problem und nicht nur auf besagten Artikel beschränkt.

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Eine Antwort to “Layoutexperimente bei der Zeit”

  1. Onkel Brumm Says:

    … und es geht weiter!

    Übrigens teile ich Ihre Meinung, dass einige der Bildergalerien besser als schlichte Textpage daher kämen, da die Bildqualität zuweilen zweifelhaft ist. Aber dergleichen ist eben Klickhuberei.

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