Archive for Juni 2007

Rumpeln im Kopf

28. Juni 2007

Vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, der sich mit Anthroposophie beschäftigt. Ich habe mit ihm nicht über das Thema gesprochen, auch weil ich mich damit nicht auskenne. Dennoch war ich interessiert, als ich heute bei Spiegel Online diesen Artikel entdeckte. Er handelt vermutlich von Tilman Wacker, dem Leiter einer anthroposophischen Schule in Berlin.

Warum „vermutlich“? Ganz einfach: weil ich nicht weiß, worüber der Autor wirklich schrieb. Direkt im ersten Absatz erfolgte eine Beschreibung von Tilman Wacker, in der sich unter anderem folgender Halbsatz findet: „und manchmal rumpelt es in Wackers Bauch.“ Spätestens da war mir klar, daß ich den Artikel nicht weiterlesen muß.

Es gibt Journalisten, bei denen rumpelt es im Kopf. Und sie merken es nicht.

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Kein schöner Morgen

23. Juni 2007

Das Bloggertreffen gestern war doch recht lang, dementsprechend spät war ich im Bett.

Heute morgen wurde ich von meiner Schwester telefonisch aus dem Schlaf geklingelt, ihr Hund würde gleich wegen Krebs vom Tierarzt eingeschläfert werden müssen. Wenn ich ihn nochmal sehen wollte, müßte ich jetzt kommen. Und da ich das Hundetier auch ins Herz geschlossen habe – selbst wenn es zu den Gelegenheiten, in denen ich es in Pflege hatte, alles gestohlen hat, was nicht niet- und nagelfest war – habe ich mich schlaftrunken ins Auto gesetzt, bin zu ihr hingefahren und habe Abschied genommen.

Scheiße. :-(

Layoutexperimente bei der Zeit

21. Juni 2007

Die Zeit ist eine der Onlinepublikationen, die mir vom Layout her am besten gefallen. Nicht die Eingangsseite, diese ist mir eine Spur zu unübersichtlich. Das Artikellayout selber ist jedoch dezent gestaltet und man hat schon aufgrund der Schriftwahl das Gefühl, daß der Text das Wichtigste darstellt.

Besonders schätze ich die Möglichkeit, längere Texte auf einer Seite darzustellen. Es hemmt meinen Lesefluß ungemein, wenn ich mich mitten in einem Gedankengang des Autors befinde und dieser unterbrochen wird, weil sich eine neue Seite inklusive der darauf befindlichen ladezeitfressenden Werbebildchen aufbauen muß. Alles auf einer Seite zusammengefaßt liest man den Artikel in einem Rutsch, genauso wie man es von der Tageszeitung oder von einem Buch gewohnt ist.

Umso schlimmer finde ich, daß der Artikel Letzte Chance der heutigen Onlineausgabe, der sich mit der EU-Verfassung befaßt, nur als sogenannte Bildergalerie vorliegt. Das heißt, man liest mehr oder weniger kurze Textschnipselchen, daneben finden sich computergenerierte Grafiken, deren hanebüchene Aussagelosigkeit regelrecht ins Gesicht springt. Den kompletten Text auf einer Seite zusammenzufassen ist nicht möglich, ein Lesefluß will so nicht zustandekommen.

Was sich der zuständige Redakteur gedacht hat, begreife ich nicht. Meint man auch schon bei der Zeit, daß die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen immer kürzer wird und lange Texte daher das Publikum überfordern? Dann hätte der Autor vielleicht den Artikel im Ganzen auf Bildzeitungsniveau kürzen oder – besser noch – sich die Frage stellen sollen, für welche Art Leserschaft man eigentlich schreibt. Oder war das ein untauglicher Versuch, einen Text durch Bilder aufzulockern? Dann hätte man vielleicht nicht diesen ärgerlichen und bedeutungslosen Pixelmüll nehmen sollen.

Ein Detail am Rande ist da nur noch, daß der Text auf einigen Seiten zur Hälfte durch eine Werbeeinblendung verdeckt wird, die sich auch nicht wegklicken läßt (diese Einblendung kommt unregelmäßig und ist nicht reproduzierbar). Warum die werbenden Firmen mit dieser Art Leseblockade glauben, Sympathiepunkte beim Publikum zu gewinnen, die sie vorher durch ihren Service verloren haben, ist mir schleierhaft. Ja, Ihr Dumpfbacken von der Deutschen Bahn, Ihr seid gemeint!

Es hat schon seinen Grund, daß ich mich mit der eigentlichen Textaussage nicht befasse. Über die Art der Artikelpräsentation habe ich mich schon genug geärgert.

Nachtrag: Die Werbeeinblendung war/ist offenbar ein generelles Problem und nicht nur auf besagten Artikel beschränkt.

Antifa und die Werbung

20. Juni 2007

Die Linken seien zutiefst humorlos, lese ich gerade in einem Kommentar im Blog von Andrea Diener. Dabei stimmt das gar nicht.

Geht man nämlich auf die Seite zu einem Kongress der Jugendantifa Frankfurt, so begrüßt einen als erstes das Werbebanner eines bekannten Blumenversenders quer über die ganze Seite.

jugendantifa1.jpg

Hat man dieses weggeklickt, dann liest man von den „Möglichkeiten einer kritischen Intervention in die oft zu kurz greifende Kapitalismuskritik im Rahmen des G8-Gipfels“. Weiter unten steht das mit „Kapitalismus abschaffen“ etwas prägnanter formuliert und – damit es auch der letzte Dämel kapiert – nochmals in großen Lettern auf englisch: „Smash Capitalism“. Direkt daneben die Werbung eines Online-Schmuckhändlers.

jugendantifa.jpg

Und ich frage mich, ob ich dem besonders gut getarnten Versuch einer Satire aufgesessen bin. Muß wohl, sonst hätte man ja auf Rostocker Pflastersteine einen kleinen Aufkleber draufpappen können: „Diese politische Meinungsäußerung wurde Ihnen präsentiert von Krombacher – eine Perle der Natur“

Spiegel Online und die journalistische Sorgfalt

19. Juni 2007

Über Spiegel Online habe ich mich schon öfter aufgeregt und nicht nur ich. Ein frisches Beispiel für die journalistische Sorgfalt, mit der ohne die dort offenbar gearbeitet wird, findet sich im Bericht über eine Forschergruppe, die den Flugzeugeinschlag im Nordturm des World Trade Center am 11. September 2001 per Computer simulierten.

Im Begleitvideo gibt der Sprecher von Spiegel Online unter anderem folgenden Satz zum Besten: „Zudem ergossen sich über 38.000 Liter brennender Flugzeugtreibstoff in die Etagen, ein Flammeninferno, daß die übrigen Stahlstützen zum Schmelzen und den Turm schließlich zum Einsturz brachte.“

Diese Aussage über schmelzende Stahlträger ist schlicht Blödsinn, mal davon abgesehen, daß der Flugzeugtreibstoff nach weniger als 10 Minuten komplett verbrannt war und das Feuer für die verbleibenden eineinhalb Stunden, die der Turm noch stand, von im Gebäude verbauten Materialien und Inneneinrichtungen genährt wurde.

So ist im Untersuchungsbericht des amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) nachzulesen:

In no instance did NIST report that steel in the WTC towers melted due to the fires. The melting point of steel is about 1,500 degrees Celsius (2,800 degrees Fahrenheit). Normal building fires and hydrocarbon (e.g., jet fuel) fires generate temperatures up to about 1,100 degrees Celsius (2,000 degrees Fahrenheit). NIST reported maximum upper layer air temperatures of about 1,000 degrees Celsius (1,800 degrees Fahrenheit) in the WTC towers (for example, see NCSTAR 1, Figure 6-36).

However, when bare steel reaches temperatures of 1,000 degrees Celsius, it softens and its strength reduces to roughly 10 percent of its room temperature value. Steel that is unprotected (e.g., if the fireproofing is dislodged) can reach the air temperature within the time period that the fires burned within the towers. Thus, yielding and buckling of the steel members (floor trusses, beams, and both core and exterior columns) with missing fireproofing were expected under the fire intensity and duration determined by NIST for the WTC towers.

Auf deutsch: Brennender Flugzeugtreibstoff wird gar nicht heiß genug, um Stahl schmelzen zu können, genausowenig wie die durch den Treibstoff entzündeten Gebäudematerialien. Was das Feuer tatsächlich verursachte, war ein Festigkeitsverlust der Stahlträger um bis zu 90 %, der zu ihrem Nachgeben und in der Folge zum Einsturz des Gebäudes führte.

So schwierig ist das alles nicht herauszufinden – der oben verlinkte Wikipedia-Artikel führt immerhin eine ganze Latte von Links auf. Aber strukturelle Schwächung klingt lange nicht so aufregend wie Flammeninferno und schmelzender Stahl.

Alles eine Frage der Perspektive

17. Juni 2007

Bei Franziskript habe ich einen Hinweis auf einen Artikel über Markus Frick gefunden. Markus Frick ist ein sogenannter Börsenguru. Börsengurus treten üblicherweise auf im teuren Dreiteiler mit perfekt sitzendem Windsorknoten in der Krawatte, tadellos geputzten Schuhen und frisch gegelten Haaren. Und sie brüllen einem laut ins Ohr: „Folge mir und ich mache Dich reich!“

Diese Gefolgschaft kostet natürlich. Für das Börsenseminar, welches er abhält, hat man 86 Euro zu bezahlen. Leider gibt es dafür mehr Markus Frick und weniger Kursraketen. Um diese zu bekommen und damit den steten Fluß von heißen Aktientipps sicherzustellen, muß man ein Mailabonnement eingehen, für das rund 900 Euro pro Jahr fällig werden. Dennoch ein Fliegenschiss, wo man doch bald zum Millionär wird.

Ich allerdings spare mir die 900 Euro. Und nutze Mailtipps, die ich vollkommen für lau bekomme. Solche wie diese:

—— schnipp ——

Betreff: unternehmen

Der Mineralbusiness entwickelt sich schnell,
HARRIS EXPL ist eine grosse Erganzung zu Ihrer Portefolio!
Sehen Sie es am Dienstag, 29. Mai!

Firma: Harris Explorations
Letzter Preis: 0.45
5-T Prognose: 1.06 +236%!

WKN: A0H05Q
ISIN: US4145402032
Symbols: WKN: A0H05Q / HXPN.F / EFD

Jetzt ist es Zeit um Harris Expl. zu kaufen! Das ist eine Amerikanishe Gesellschaft, die einen grossen Potential hat. Die Chinesische Okonomie und die Position des Harris Expls ist jetzt im perfektem Zustand.

Die Neuigkeite:
30.April Montag: HXPN hat den neuen Gebiet erklaert! Man kann Gold und Kupfer dort finden! HXPN wird Gewinnung in ein paar Monaten dort beginnen.

Verlieren Sie keine Moglichkeit – kaufen vor es sehr spat wird.

—— schnapp ——

Zugegeben, ein wenig holprig formuliert. Aber, Freunde, darum gehts doch an der Börse: die Goldkörnchen im Dreck zu entdecken. Was andere gedankenlos als Spam wegklicken, ist mein Weg zum Millionär.

Wenn ich mal reich geworden bin, lade ich Euch auf meine Yacht ein.

Censorship on flickr

16. Juni 2007

Heather Champ von flickr fühlt sich unwohl, daß Zensur und und der Name ihres Unternehmens so oft gemeinsam genannt wird:

„In fact, we’re all getting really uncomfortable that the words „flickr“ and „censorship“ are being jammed together with increasing frequency because that is _so far_ from the direction we’re trying to move in.“

Well, Heather, if you would have tried harder (read: taken another direction) it may had not happened.

Und hier noch einen für die Suchmaschine: flickr Zensur Censorship

Gefunden in der Sprechblase.

Die Serviceoffensive der Telekom

14. Juni 2007

Ich weiß nicht, wie lang René Obermann noch Chef der Telekom bleiben wird. Bislang habe ich noch keine ernsthaften Spekulationen über einen wackelnden Chefsessel gelesen. Man erinnere sich aber, daß im Fall von Kai-Uwe Ricke die Reise vom allmächtigen Vorstandsvorsitzenden zum abgehalfterten Vorruheständler nicht lang gedauert hat. Und eines glaube ich zu wissen: Daß auch die Ära Obermann im Nachhinein nicht als Erfolg gewertet werden wird.

Wenn man sich den Geschäftsbericht der Telekom für das Jahr 2006 anschaut, wird man feststellen, daß der Konzern etwas über 60 Mrd. Euro Umsatz gemacht und dabei vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen – das sogenannte EBITDA – knapp 20 Mrd. Euro verdient hat (bereinigt um Sondereinflüsse). Auf deutsch: Die Telekom macht auf jeden Euro Umsatz 32 Cent Rohgewinn. Das mag im Vergleich zu Vodafone keine besonders gute Zahl sein, aber die Vorstände anderer Firmen würden angesichts dieser Marge in Freudengeheul ausbrechen.

Wie man es auch immer nimmt – die Umsatzrendite ist mit Sicherheit nicht das drängendste Problem der Telekom. Dieses ist – wer hätte es gedacht – der Service. Allerorten hört man Horrorgeschichten darüber, wie das Unternehmen mit seinen Kunden umspringt. Das macht sich natürlich bei der Kundenbasis bemerkbar: Im vergangenen Jahr verlor die Telekom rund 2 Millionen Kunden, im ersten Quartal 2007 waren es sogar 588.000 Kunden, was hochgerechnet 2,4 Millionen weniger Kunden für dieses Jahr entspräche. Daß ein Kundenschwund diesen Ausmaßes zu einer sinkenden Umsatzrendite führt, ist nachvollziehbar.

Nun sollte man erwarten, daß der Vorstandsvorsitzende Obermann entsprechend seine Prioritäten darauf setzt, den Kundenschwund zu stoppen. Verbal tut er das auch, indem er es zum vordringlichen Ziel erklärt, die Servicequalität zu erhöhen. Wie er aber erreichen will, daß seine Mitarbeiter angesichts empfindlicher Lohnkürzungen im Verbund mit 4 Stunden Mehrarbeit pro Woche nicht in die innere Emigration treten, ist mir ein Rätsel. Zumal die geplante Auslagerung in externe Servicegesellschaften nichts Gutes für ihre Arbeitsplatzsicherheit erwarten läßt – war dies in der Vergangenheit doch immer Vorbote für Massenentlassungen.

Aus diesem Verhalten Obermanns könnte man mehrere Schlüsse ziehen. Entweder begreift Obermann rein intellektuell nicht den Widerspruch aus seinen Plänen für die Serviceoffensive und seiner Konfrontationspolitik gegenüber den Telekombeschäftigten – etwas, was ich nicht glauben mag. Oder er setzt darauf, daß der Aktienmarkt (lies: seine Investoren) Kostensenkungen per sé als gut begreifen und daher sein Tun nicht kritisieren. Hier aber könnte er sich täuschen. So zitiert die Zeit einen Fondsmanager, also eben jene Investorenseite: „»Den Service mit demotivierten Mitarbeitern zu verbessern, die demnächst weniger Geld bekommen oder länger arbeiten müssen, halte ich für schwierig«, sagt Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment. Dabei habe der Telekom-Chef kaum andere Chancen, als sich im Wettbewerb durch Servicequalität abzugrenzen.

Oder aber er hat sich damit abgefunden, daß er den Kundenschwund nicht stoppen kann, und er reagiert darauf, indem er versucht, dem geringer werdenden Umsatz mit Kostensenkungen im gleichen Maße zu begegnen. Das ist aber ein gefährliches Spiel – einen abwärtsrollenden Schneeball kann man aufhalten, eine Lawine nicht mehr. Und noch verdient die Telekom genug Geld, um eine Serviceverbesserung zu finanzieren und damit die Kundenerosion zu stoppen. Die Frage ist, wie lange das noch der Fall bleibt.

Nachtrag: In die gleiche Kerbe schlägt ein Beitrag in der Zeit.