Eine Stimme der Vernunft im Dopingskandal


Seitdem die große Enthüllungswelle durch den Radsport rollt, immer neue Fahrer, Ärzte, sonstige Helfer ihre Beteiligung am Dopingskandal einräumen, überschlagen sich die Abscheubekundungen in den Medien. Dabei richtet sich der Zorn insbesondere gegen diejenigen, die gestanden haben, so als ob mit deren Geständnissen schon sämtliche Hauptbösewichter in diesem Spiel festgemacht seien.

Das ist natürlich großer Blödsinn. Schon vor 10 Jahren – also im Jahr des Toursieges von Jan Ullrich – erzählte mir ein Freund und Ex-Bundesligafahrer unter dem Siegel der Verschwiegenheit, daß von den Fahrern, die bei der Tour mitfahren, mindestens 95% gedopt seien, eher mehr. Man kann daher guten Gewissens davon ausgehen, daß die bisherigen Geständnisse nur die Spitze des Eisbergs darstellen und die große Masse der Dopingsünder noch gar nicht bekannt ist.

Stellvertretend für die heiligen GEiferer der Großinquisition steht für mich Jörg Schallenberg von Spiegel Online. Schallenberg berichtet heute über Radsport, morgen über Fußball und übermorgen über die Formel 1, ohne daß man jemals das Gefühl gewinnen würde, er verstehe wirklich etwas von dem, was er da schreibt. Seine Kaffeesatzleserei ist mir schon öfters unangenehm aufgestoßen – immer wieder bauscht er Kleinigkeiten möglichst sensationsheischend auf, Fakten weglassend oder kleinredend, die nicht in seine Story passen. So betitelte er zuletzt eine Geschichte groß mit „Ralf Schumacher vor dem Rauswurf“, ein Gerücht der BlödBildzeitung zitierend, um dann gaaaanz weit unten im Text das Dementi des Rennstalls Toyota erwähnen zu müssen. Im Falle der Ex-Telekomfahrer Rolf Aldag, Bjarne Riis und Erik Zabel geriert er sich wahrhaft als Großinquisitor, der die drei Fahrer vermutlich am liebsten teeren und federn einknasten und ihre Teams in Sippenhaft nehmen würde.

Es tut gut zu sehen, daß offenbar noch nicht allen Kommentatoren das Augenmaß abhanden gekommen ist. Ludwig Grewe von der Zeit gibt zu bedenken, daß die öffentliche Kreuzigung von Zabel nicht gerade die Motivation anderer Dopingsünder fördern wird, ihrerseits mit einem Bekenntnis an die Öffentlichkeit zu gehen. Kurz und trocken: er hat recht.

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Eine Antwort to “Eine Stimme der Vernunft im Dopingskandal”

  1. Hale Mauricio Says:

    that’s why it will never wor. Hale Mauricio.

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