Archive for Mai 2007

Eine Stimme der Vernunft im Dopingskandal

31. Mai 2007

Seitdem die große Enthüllungswelle durch den Radsport rollt, immer neue Fahrer, Ärzte, sonstige Helfer ihre Beteiligung am Dopingskandal einräumen, überschlagen sich die Abscheubekundungen in den Medien. Dabei richtet sich der Zorn insbesondere gegen diejenigen, die gestanden haben, so als ob mit deren Geständnissen schon sämtliche Hauptbösewichter in diesem Spiel festgemacht seien.

Das ist natürlich großer Blödsinn. Schon vor 10 Jahren – also im Jahr des Toursieges von Jan Ullrich – erzählte mir ein Freund und Ex-Bundesligafahrer unter dem Siegel der Verschwiegenheit, daß von den Fahrern, die bei der Tour mitfahren, mindestens 95% gedopt seien, eher mehr. Man kann daher guten Gewissens davon ausgehen, daß die bisherigen Geständnisse nur die Spitze des Eisbergs darstellen und die große Masse der Dopingsünder noch gar nicht bekannt ist.

Stellvertretend für die heiligen GEiferer der Großinquisition steht für mich Jörg Schallenberg von Spiegel Online. Schallenberg berichtet heute über Radsport, morgen über Fußball und übermorgen über die Formel 1, ohne daß man jemals das Gefühl gewinnen würde, er verstehe wirklich etwas von dem, was er da schreibt. Seine Kaffeesatzleserei ist mir schon öfters unangenehm aufgestoßen – immer wieder bauscht er Kleinigkeiten möglichst sensationsheischend auf, Fakten weglassend oder kleinredend, die nicht in seine Story passen. So betitelte er zuletzt eine Geschichte groß mit „Ralf Schumacher vor dem Rauswurf“, ein Gerücht der BlödBildzeitung zitierend, um dann gaaaanz weit unten im Text das Dementi des Rennstalls Toyota erwähnen zu müssen. Im Falle der Ex-Telekomfahrer Rolf Aldag, Bjarne Riis und Erik Zabel geriert er sich wahrhaft als Großinquisitor, der die drei Fahrer vermutlich am liebsten teeren und federn einknasten und ihre Teams in Sippenhaft nehmen würde.

Es tut gut zu sehen, daß offenbar noch nicht allen Kommentatoren das Augenmaß abhanden gekommen ist. Ludwig Grewe von der Zeit gibt zu bedenken, daß die öffentliche Kreuzigung von Zabel nicht gerade die Motivation anderer Dopingsünder fördern wird, ihrerseits mit einem Bekenntnis an die Öffentlichkeit zu gehen. Kurz und trocken: er hat recht.

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Kaffee-Stöckchen

30. Mai 2007

Als alte Kaffeetante war ich gezwungen, dieses Stöckchen aufzuheben:

1.) Deine erste Tasse Kaffee, wann trinkst Du sie?
Morgens direkt nach dem Aufstehen.
2.) Wieviele Tassen trinkst Du täglich?
Drei.
3.) Koffeinfrei oder Bohnenkaffee?
Koffeinfrei?? Nicht die Bohne!
4.) Zucker, Milch oder Sahne?
Zucker und Milch.
5.) Deine bevorzugte Zubereitungsart?
Einen doppelten Espresso aus der Espressomaschine ziehen (zubereitet mit frischgemahlenen Bohnen!), Tasse (s.u.) mit heißer Vollmilch auffüllen, einen Löffel Zucker dazu, feddisch.
6.) Mit wem geniesst Du Deinen Kaffee am liebsten?
Was ein richtiger Morgenmuffel ist: morgens alleine.
7.) Deine Lieblingsmarke?
Lucaffé Espresso
8.) Wo trinkst Du Deinen Kaffee vorzugsweise?
Zuhause. Was man in manchen Lokalitäten als Kaffee serviert bekommt… nee danke.
9.) Wie sieht Deine Lieblingstasse aus?
Thomas Trend Frühstückstasse in weiß. Faßt nicht ganz einen halben Liter.
10.) Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato?
Latte Macchiato.
11.) Bevorzugte Tätigkeit beim Kaffee trinken?
Am Rechner sitzen, lesen, nachdenken.

An Tissy Bruns vom „Medienquartett“ des Deutschlandfunks

29. Mai 2007

Stefan Niggemeier berichtete in seinem Beitrag Blinde sorgen sich um die Zukunft der Farbe über eine Diskussion über Blogs im Deutschlandfunk. Tissy Bruns, Redakteurin beim „Tagesspiegel“ und Teilnehmerin des Gespräches, antwortete ihm in einer Mail, die von Herrn Niggemeier veröffentlicht wurde.

Frau Bruns, wenn Sie in der Gesprächsrunde nur ein einziges Mal differenziert auf Blogging eingegangen wären, dann hätten Sie jetzt mit vollem Recht diese etwas herablassende Antwort schreiben dürfen. Aber das sind Sie nicht. Was Sie zu Anfang des Gespräches an Nichtwissen verratendem Wischiwaschi von sich gaben, wurde schon im Beitrag von Herrn Niggemeier genannt. Aber auch später kam nichts Substanzielles von Ihnen.

So gab es die zum Erbrechen ausführliche Diskussion über den Dopingskandal und der sich durch den Radsport vereinnehmenlassenden Sportjournalisten. Zwischendurch fragte einer der Moderatoren: „Wird denn der Journalist – angesichts dieser Kumpanei – wird der denn in seiner Wächterfunktion dann ersetzt durch jemanden von außen, durch Blogger beispielsweise?“

Sie antworteten: „Das glaube ich überhaupt nicht, im Gegenteil. Also Ihre Ausgangsfrage war ja, hätten die Blogger uns vielleicht eher mit der Nase daraufgestoßen?“

Jetzt erwartete ich natürlich eine ausführlichere Erörterung dieser Frage, jedoch leider vergebens. Stattdessen ergingen Sie sich lang und breit darin, wie der Lockruf des Geldes zur Korrumpierung der beteiligten Journalisten führte – wahrhaftig eine scharfsinnige Erkenntnis.

Als ich schon nicht mehr damit rechnete, in Ihrem themenfremden GefaselDiskussionsbeitrag eine Beantwortung der Frage des Moderators zu erhalten, ließen Sie zu Blogs den Satz fallen: „Das wird uns nicht konterkariert durch Laien, die darauf gucken.“ Keine Erklärung des Warum und Wieso, stattdessen folgte nur noch die absurde Theorie, daß die Blogger durch ihr genaueres Hinschauen die Aufklärung solcher Skandale noch schwieriger machten, da die Bösen noch mehr in die Hinterzimmer getrieben würden. Arm, Frau Bruns, sehr arm.

Aber trösten Sie sich. Nicht Sie, sondern Manfred Bissinger empfand ich als die eigentliche Katastrophe in dieser Diskussion. Er schien noch nicht mal annähernd zu wissen – oder wissen zu wollen, was Blogs eigentlich sind. Stattdessen hatte man den Eindruck, er befinde sich auf einem Rückzugsgefecht, bei dem es darum ginge, möglichst nichts, aber auch gar nichts zu Blogs zu sagen, getreu dem Motto „Je öfter man den Feind erwähnt, umso stärker macht man ihn“. Er schwadronierte ausführlich über die Verantwortlichkeit des Journalisten – der er selber in Vorbereitung dieser Diskussion ganz offensichtlich nicht nachgekommen war. Zum Internet fiel ihm nur „Schmutz und Dreck“ ein, Realitätsverweigerung auf allerhöchstem bzw. -niedrigstem Niveau.

Manfred Bissinger erinnert mich an die Bären in amerikanischen Nationalparks. Werden sie nicht mehr gefüttert, fallen sie tot um.