Manchmal hat man gute Tage, die sich innerhalb von kurzer Zeit in Scheißtage wandeln. Heute zum Beispiel.
Ich treffe mich mit der I. auf dem Weihnachtsmarkt, quatsche mit ihr über berufliche Querelen, über amouröse Verirrungen, über amourös-körperliche Verirrungen, wir trinken Glühwein mit Rum. Sie befragt mich über männliche Befindlichkeiten, ich gestehe ihr mit aller Beiläufigkeit, der ich fähig bin, daß Männer desweilen komische Anwandlungen bekommen und sich daher in Frauen vergucken, in die sie sich nicht vergucken sollten. Wir setzen das Gespräch in einer Espresso-Bar fort, sie rückt näher und kippt mir ihren Latte Macchiato über die Hose. Als Folge der zwei Glühweine zuviel wird ihr mit einem Mal schlecht, ich bringe sie nach Hause und ins Bett, verabschiede mich brav und setze mich in die Bahn Richtung Heimat.
In der Bahn kontrollieren mich zwei Kontrollettis, die mir mitteilen, daß mein Monatsticket nur in Verbindung mit einem Lichtbildausweis gültig ist. Meine Kreditkarte, meinen Ausweis des Schwimmvereins und meine Visitenkarten nehmen sie zwar gerne als Nachweis, daß ich kein Schwarzfahrer bin, aber dennoch werde ich meinen Personalausweis nochmal bei den Verkehrsbetrieben vorzeigen müssen und bei der Gelegenheit ein paar Euro fuffzig abdrücken dürfen. Scheißvolk.
Spätestens in diesem Augenblick wird mir klar, daß das Verhältnis mit der I. nie mehr so sein wird wie bisher. Ich ziehe meinen MP3-Player hervor und drehe die Musik so laut, daß ich es gerade noch aushalten kann.
