Archiv für November 2009

Gute Tage, schlechte Tage

21. November 2009

Manchmal hat man gute Tage, die sich innerhalb von kurzer Zeit in Scheißtage wandeln. Heute zum Beispiel.

Ich treffe mich mit der I. auf dem Weihnachtsmarkt, quatsche mit ihr über berufliche Querelen, über amouröse Verirrungen, über amourös-körperliche Verirrungen, wir trinken Glühwein mit Rum. Sie befragt mich über männliche Befindlichkeiten, ich gestehe ihr mit aller Beiläufigkeit, der ich fähig bin, daß Männer desweilen komische Anwandlungen bekommen und sich daher in Frauen vergucken, in die sie sich nicht vergucken sollten. Wir setzen das Gespräch in einer Espresso-Bar fort, sie rückt näher und kippt mir ihren Latte Macchiato über die Hose. Als Folge der zwei Glühweine zuviel wird ihr mit einem Mal schlecht, ich bringe sie nach Hause und ins Bett, verabschiede mich brav und setze mich in die Bahn Richtung Heimat.

In der Bahn kontrollieren mich zwei Kontrollettis, die mir mitteilen, daß mein Monatsticket nur in Verbindung mit einem Lichtbildausweis gültig ist. Meine Kreditkarte, meinen Ausweis des Schwimmvereins und meine Visitenkarten nehmen sie zwar gerne als Nachweis, daß ich kein Schwarzfahrer bin, aber dennoch werde ich meinen Personalausweis nochmal bei den Verkehrsbetrieben vorzeigen müssen und bei der Gelegenheit ein paar Euro fuffzig abdrücken dürfen. Scheißvolk.

Spätestens in diesem Augenblick wird mir klar, daß das Verhältnis mit der I. nie mehr so sein wird wie bisher. Ich ziehe meinen MP3-Player hervor und drehe die Musik so laut, daß ich es gerade noch aushalten kann.

Klatsche für Merkel?

4. November 2009

General Motors bläst tatsächlich nach 6 Monaten Herumgehampel den Verkauf von Opel an Magna ab – ich hätte es nicht geglaubt. Vordergründig bedeutet dies natürlich eine Brüskierung für Merkel. Wenn man sich allerdings erinnert, daß Merkel anfangs keine begeisterte Befürworterin von Staatshilfen war und erst vom Wahlkampfgetrommle des Herrn Steinmeier in den Verhandlungsschlamassel um den Opel-Verkauf getrieben wurde, so könnte ich mir vorstellen, daß sie insgeheim erleichtert ist. Dies umso mehr, als GM bereits die pünktliche Rückzahlung der 1,5 Milliarden Euro Staatskredit in Aussicht gestellt hat, womit sich auch der Schaden für den Steuerzahler in Grenzen halten würde. Die Bundesregierung hat wieder alle Optionen offen – von der Gewährung eines deutlich reduzierten Staatshilfebeitrages bis hin zum völligen Rückzug aus jeglichen Beihilfeszenarien.

Aber auch Magna scheint nicht allzu unglücklich über die GM-Entscheidung zu sein. Angesichts der kaum verhüllten Drohungen ihrer Kunden VW und BMW, wichtige Aufträge zu kündigen, hat man offenbar erkannt, daß der Aufstieg zum Automobilhersteller doch mit größeren Schlaglöchern gepflastert ist.

Zudem scheint sich der Opel-Betriebsrat nicht einig über die zukünftige Vorgehensweise zu sein. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz spielt mit hohem Einsatz und fordert, unter einem Mutterkonzern GM keine Staatshilfen an Opel zu gewähren. Der Bochumer Betriebsrat Rainer Einenkel hingegen weiß sehr gut um die akute Gefährdung seines Werkes und will Beihilfen auch unter GM-Führung ausgezahlt sehen. Und die britischen Gewerkschafter führen angesichts der GM-Entscheidung gegen den Magna-Verkauf einen wahren Freudentanz auf.