Manfred Wennemer, Mitglied des Opel-Treuhandbeirates und in diesem Zusammenhang übrigens einer der Vertreter der Bundesregierung (!), äußert die Auffassung, daß Opel soviel schwerwiegende Probleme habe, daß der Autobauer auch mit dem neuen Besitzer Magna spätestens im Jahre 2011 in die Insolvenz gehen wird. Unsere Damen (Merkel) und Herren (Steinmeier) aus der Politik vertreten dagegen die Auffassung, daß mit dem Staatsgeld für Opel einem im Kern lebensfähigen Unternehmen der Weg in die Eigenständigkeit gebahnt werde.
Wer in diesem Streit eher recht haben dürfte, lässt sich vielleicht am besten abschätzen, wenn man sich die Opel-Kennzahlen der letzten Jahre hernimmt, etwas, mit dem meiner Ansicht nach viel zu lange gewartet wurde.
Zur besseren Übersicht habe ich die wichtigsten Zahlen der letzten 10 Jahre in einer Tabelle zusammengefaßt:
| Jahr | Marktanteil Deutschland |
Zulassungen Deutschland | Zulassungen Westeuropa | Jahresüberschuss (in Mill. EUR) |
| 1999 | 13,7 % | 522 | 1.654 | -42 |
| 2000 | 12,2 % | 411 | 1.508 | -397 |
| 2001 | 11,9 % | 396 | 1.516 | 386 |
| 2002 | 10,4 % | 338 | 1.352 | 1.555 |
| 2003 | 10,3 % | 333 | 1.311 | -646 |
| 2004 | 10,2 % | 334 | 1.312 | -69 |
| 2005 | 10,4 % | 348 | 1.303 | -68 |
| 2006 | 9,6 % | 334 | 1.258 | -716 |
| 2007 | 9,1 % | 285 | 1.255 | -362 |
| 2008 | 8,4 % | 258 | 1.070 | n.v. |
Quelle: Kleine Anfrage im Bundestag zu Opel, Antwort der Bundesregierung
Opel hat nur in zwei von neun Jahren Gewinn gemacht. Marktanteil und Zulassungszahlen (angegeben in Tausend Stück) sind stetig gesunken. Der Jahresabschluss für 2008 lag noch nicht vor, wird aber angesichts des neuerlich starken Rückgangs der Verkaufszahlen ziemlich sicher ebenfalls negativ sein.
Es bleibt die nicht sonderlich spannende Frage, wie Merkel und Steinmeier reagieren werden, wenn die von Wennemer befürchtete Pleite eintritt. Die Antwort ist vorhersagbar: Mit Totschweigen.
Update: Kaum ist der Deal unter Dach und Fach, tritt zutage, was vorher fein säuberlich unter der Decke gehalten wurde. Zum Beispiel, daß 600 Millionen des deutschen Staatsgeldes zur Modernisierung der russischen Autoindustrie verwandt werden. Und daß mehr Arbeitsplätze als der Öffentlichkeit bisher bekannt abgebaut werden (und Politik und Gewerkschaft das schon wußten). Ich bin gespannt, ob das heute abend beim TV-Duell Merkel – Steinmeier zur Sprache kommt.
14. September 2009 um 0:45 |
Na ist doch prima.
„n.V.“, – das bedeutet doch „NO VERLUST“ ?
14. September 2009 um 8:40 |
Hm, hatte das eigentlich als „nicht verfügbar“ dahin geschrieben. :D
Aber ernsthaft: GM Europe hat 2008 einen Betriebsverlust von 2,7 Mrd. Dollar geschrieben. Der Anteil von Saab daran beträgt etwa 450 Millionen Dollar, wenn ich mich recht erinnere. Die anderen Marken von GM Europe, außer eben Opel/Vauxhall, sind reine Vertriebsnetze, womit sich deren Verlust in Grenzen halten wird. Das heißt, der Verlust von Opel wird sich irgendwo zwischen 1,5 und 2,2 Mrd. Dollar bewegen.
14. September 2009 um 12:54 |
[...] Spritkopf « Opel-Rettung [...]
23. Oktober 2009 um 23:05 |
[...] eigentlich? – bestimmt nicht gelegen. Der Steuerzahler hingegen kann wieder hoffen, die laut Treuhänder Wennemer unabwendbare Pleite nicht mit vielen Milliarden Euro für ein paar Jahre hinauszögern zu müssen. Sollte GM wirklich [...]