Archiv für August 2009

Eine gute Freundin

24. August 2009

Die I. ist so etwas wie eine Schwester für mich. Ziemlich regelmäßig treffen wir uns auf ein Bier oder im Freibad zum Schwimmen und zum Sonnen. Wir liegen auf der Wiese, jeder auf seinem Badetuch und ratschen. Die I. hat zwar Freundinnen. Mit denen aber, so sagt sie, schwingt sie nicht auf der gleichen Wellenlänge, so daß sie das, was man als typisches Frauengespräch bezeichnen würde, lieber mit Männern führt. So zum Beispiel mit mir.

So rede ich mit der I. über ihre Vorliebe für Italiener, zum Beispiel dem M., mit dem sie lange Zeit zusammen war. Der M. wohnt hier in Deutschland, jedoch kühlt die Beziehung langsam ab, da der M. wohl ein kleiner Hallodri ist und sich um klare Ansagen zu einer gemeinsamen Zukunft herumdrückt. Sich fallweise im Bett zu treffen, dafür reicht es indes immer noch.

Beim letzten Italienurlaub hat sie den G. kennengelernt. Dieser scheint schwer verliebt in die I. zu sein. Da er jedoch im Süden an der Stiefelspitze, gut 1.500 km entfernt wohnt, gibt es ein kleines logistisches Problem. Welches sich auch vorerst nicht aus der Welt schafft, wenn er sie wie geplant in ein paar Wochen besucht. Dazu kommt, daß er weder deutsch noch englisch spricht und ihre Italienischkenntnisse auch eher rudimentär zu nennen sind. Ob es wirklich zu einem Besuch kommen wird, muß sich noch erweisen.

Oder es passiert das gleiche wie vergangenes Wochenende, als der J., ein anderer Bekannter aus Norditalien, sie für drei Tage besuchen wollte. Er fuhr zwei Stunden zum Flughafen, stellte fest, daß man ihn ohne Reisepass nicht fliegen lassen wollte und – anstatt in einen Zug zu steigen, der ihn um zwölf Stunden verspätet zu seinem Ziel gebracht hätte – beschloss, gleich den kompletten Besuch abzusagen. Dem Vernehmen nach, weil an diesem Wochenende ganz Italien seine Familientreffen abhält. Und seine Entscheidung, nicht die italienische Mutter, sondern die deutsche Freundin zu besuchen, ihm nachträglich einiges Magendrücken bescherte und er nun den perfekten Anlaß sah, diese Entscheidung wieder zu kippen. Womit er sich wohl von der Liste der Bewerber gestrichen hat. Wetten würde ich allerdings nicht darauf.

Daß es mit den Italienern aus den genannten Gründen schwierig ist, bleibt der I. natürlich nicht verborgen. So hat sie eine kleine Schwärmerei für den D. entwickelt. Der ist Deutscher und der Exfreund ihrer Freundin M. Allerdings ist der D. derzeit anderweitig besetzt. Aber für die Zukunft mag man ja nicht ausschließen, daß der D. feststellt, doch nicht so gut zu seiner jetzigen Freundin zu passen. Und so diskutiert die I. mit mir ihre Möglichkeiten, sich auf seinem Radar zu positionieren.

Ab und zu denke ich an die I., an ihr blondes Haar, ihre langen, gebräunten Beine und an ihre entzückende Manie, keinen Satz zu Ende zu bringen und mittendrin plötzlich mit einem ganz neuen Thema aufzuwarten. Es sind Gedanken, die ich nicht als geschwisterlich bezeichnen würde.

Aus meinem Postfach

21. August 2009

5, 10 oder sogar 25 Kilo Gewicht reduzieren? Wer moechte das nicht! Nur  schafft es kaum ein Mensch. Zumindest nicht ohne Hilfe.
Blablabla. Und wie das geht.

Aber jetzt gibt es fuer alle die, die schlanker werden wollen, eine wirklich fantastische Nachricht. Es wurde endlich ein Produkt entdeckt, mit dessen Hilfe Sie sehr schnell sehr viel Gewicht reduzieren werden, ohne dass Sie halb verhungern und staendig Sport treiben muessen.
Ich hungere fast nicht, Sport macht mir Spaß. Und nun?

Das neu entdeckte Mittel zum einfachen Abnehmen ist so revolutionaer, es hat es sogar in eine beruehmte TV Show gebracht!
Tolle Wurst. Lasst mich raten: Auf NeunLive oder ähnlichen DrecksQualitätssendern?

Amerikanische Abnehmprodukte sorgen fuer den massiven Erfolg. Partizipieren auch Sie an dem Erfolg!
Massiver Erfolg in Eurer Geldbörse, schon klar.

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Am A… hängt der Hammer!

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Mit erfolgreichen Gruessen
Dr. Petra Kaub
Jaja, Ihr mich auch.

Malen auf Raketen

20. August 2009

Markus Frick hatte ich bereits vorgestellt als das öh… Genie, welches Kleinanlegern 900 Euro pro Jahr dafür abnahm, daß er ihnen Aktien-Mailspam zuschicken durfte. Allerdings verstummten nie die Gerüchte, daß Fricks Kursraketen in Wirklichkeit mit ein bißchen Farbe aufgehübschte leere Hüllen seien.

Die Staatsanwaltschaft hegt nun den dringenden Verdacht, daß Frick offenbar selber fleißig mitgepinselt hat. Auf deutsch, viele der empfohlenen Aktien sollen von ihm aufgekaufte, wertlose Aktienmäntel gewesen sein, die ihm dann von seinen Jüngern zu Phantasiepreisen aus den Händen gerissen wurden. Wie lukrativ dieses Geschäft gewesen sein muß, läßt sich an den 80 Millionen Euro ermessen, die von der Staatsanwaltschaft sichergestellt wurden.

Mal schauen, wie es weitergeht.

Radfahren

18. August 2009

Diesen Sonntag war ich einen Freund anfeuern, der am Wiesbadener Triathlon teilnahm. Einen Tag später fuhr er mit mir die Radstrecke im Auto ab. Dafür brauchten wir knapp anderthalb Stunden.

Wie der Sieger diese Strecke auf dem Rad in 2:17h – bei geschätzten 35°C und diesem Höhenprofil – bewältigen konnte, ist mir allerdings ein schieres Rätsel.

Es singen die Sirenen

10. August 2009

… und preisen italienische Mehlspeisen.

Komme auf dem Rückweg vom Schwimmen an einer Pizzeria vorbei. Der Duft nach Tomatensauce und geschmolzenem Käse macht mich schier toll. Auf der Stelle könnte ich einen Mord begehen, halte stattdessen krampfhaft den Atem an, beschleunige den Schritt, murmle “ich bin so satt ich mag kein Blatt ich bin so satt ich mag kein Blatt” vor mich hin wie ein tibetanischer Mönch mit seiner Gebetsmühle. Zuhause angekommen fülle ich eine kleine Schale mit Haferflocken, gebe weißen Joghurt – den mit 0,1% Fett – dazu, löffle dieses hastig weg.

Odysseus kannte keine Calzone.

Tips zum Abnehmen

9. August 2009

Für Männer: FdH, viel Sport.

Für Frauen: Sich von Männern zum Essen einladen lassen.

Poolparty

8. August 2009

Mit S. und D. in einem unserer bevorzugten Tanzschuppen. S. hat mir eine Poolparty angekündigt, ich solle eine Badehose mitnehmen.

Der Pool steht draußen im Biergarten, ist eines jener Aufblasdinger, die man im nächsten Warenhaus kriegt und weist ungefähr einen Durchmesser von dreifuffzig auf. Der Beckengrund läßt sich durch das trübe Wasser knapp erahnen. Obenauf dümpelt ein Schlauchboot, welches vermutlich in der Säuglingsabteilung gekauft wurde. Entsprechend umlagert ist der Pool. Wir beschließen, die Badehose doch nicht zum Einsatz zu bringen und das rauschende Leben hier draußen – bestehend aus einem biertrinkenden Pärchen fortgeschrittenen Alters und dem Zappes, der den ansonsten verwaisten Bierwagen bewirtschaftet – doch lieber wieder gegen die Baggergründe Örtlichkeiten drinnen einzutauschen.

Dort treffen wir zwei Mädels, die D. und ich vor vier Wochen kennenlernten. Die eine hatte mir erzählt, daß sie demnächst in Urlaub fahren wollte und deswegen erst in vier Wochen wieder da sein würde. Um so erstaunlicher, daß sie es tatsächlich ist. Die andere ist schüchtern und geht sowieso nicht alleine auf die Bahn. S. macht sich an die eine ran, erzählt ihr Geschichten von Pontius nach Pilatus. Wo der bloß immer seinen Gesprächsstoff hernimmt. D. widmet sich der anderen. Ich stehe in der Gegend herum wie Falschgeld, verkrümele mich irgendwann auf die Tanzfläche. Gottlob läuft nicht Roland Kaiser, so wie letzte Woche. Weiß der Geier, wieso die versammelte Weiblichkeit so auf deutsche Schlagerfuzzis steht.

Am Rande der Tanzfläche unterhält sich ein Mädel angeregt mit einem Typen. Ihre Freundin steht etwas verloren daneben. Sie sieht genauso aus, als ob ich mir eine Abfuhr holen werde, wenn ich sie zum Tanze bitte. Ich tue es trotzdem und freue mich über meine Menschenkenntnis. Da mir heute die Chauffeursrolle zufällt, kann ich mich noch nicht mal an edlem Gerstensaft narkotisieren laben.

Die Herzdamen meiner Freunde haben sich verabschiedet, D. hat sich ebenfalls vom Acker gemacht. Der Abend (vielmehr der frühe Morgen) geht zur Neige, S. und ich lassen uns langsam in Richtung Ausgang treiben. Neben mir steht eine Frau, die mir schon früher auf der Tanzfläche aufgefallen ist. Da war sie aber noch in Begleitung, diese hat sich offenbar verdünnisiert. Weil ich sie anschaue, schaut sie mich an. Mit schiefem Lächeln murmele ich etwas Belangloses wie “So isses, alles hat einmal ein Ende.” Sie antwortet “Ja, schade!” Ich: “Vielleicht bis nächste Woche?” Sie: “Gerne.” Ich: “Hast Du eine Handynummer?” Sie gibt sie mir, fünf Minuten später befinden wir uns im intensiven Bakterienaustausch Gespräch.

Trockener Kommentar von S.: “Wofür ich den ganzen Abend gebraucht habe, machst Du in wenigen Minuten.”

Schuld, wohin wir schauen

6. August 2009

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt ein Sprichwort. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn sich jemand aus den Reihen der Globalisierungsgegner zu Wort meldet und seine Weisheit unters Volk zu streuen begehrt.

Jüngstes Beispiel: Martin Geiger vom WWF beklagt, daß wir Deutschen zuviel Wasser verbrauchen. Damit meint Geiger nicht etwa den persönlichen Wasserverbrauch des einzelnen – der ist in den letzten Jahren gefallen – sondern der Wasserverbrauch über die Produkte, die wir importieren, insbesondere Agrarprodukte wie Kaffee und Kakao aus Ländern z. B. der Dritten Welt. Dafür verwendet er die Metapher “Wasser-Fußabdruck”. Wen diese in ihrer Idiotie an den Orwell’schen Neusprech (“Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke”) erinnert – schließlich hinterläßt so ein Fuß, den man aus dem Wasser zieht, einen deutlichen und vor allem dauerhaften Abdruck im selbigen – liegt damit gar nicht so falsch.

Als Abhilfe gegen den vom WWF errechneten riesigen Wasserverbrauch schlägt Geiger unter anderem vor, die Erzeugerländer zu boykottieren und nur beim hiesigen Agrarproduzenten zu kaufen (und damit vermutlich demnächst seinen Kaffee und Kakao von deutschen Obstbauern zu beziehen). Womit er im Grunde die Sichtweise der Globalisierungsgegner übernimmt, nach der es falsch ist, in Indonesien genähte Turnschuhe zu kaufen, weil man damit die Ausbeuterlöhne der dortigen Betriebe unterstützt, egal wieviele Arbeiter damit in Lohn und Brot stehen. So bringt uns Geiger bei, daß wir mit unserer abendlichen Tasse heißer Schokolade in gleicher Weise den Grundwasserspiegel in Cote d’Ivoire schädigen.

Nun wären die Äußerungen Geigers nicht so schlimm, träfe er auf einen Journalisten, der derlei Zeug nicht einfach unreflektiert abdruckt. Gute Fragenkataloge an die Attac-Aktivisten und ihre Brüder im Geiste liefert gerne jeder Ökonom von Rang, so zum Beispiel Nobelpreisträger Paul Krugman, der in seinen Büchern gründlich mit dem Mythos von der Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Dritten Welt durch Kaufboykott aufräumt, im Gegenteil die Kontraproduktivität solcher Maßnahmen belegt.

Wem das Lesen von Ökonomiebüchern – und seien sie noch so kurzweilig geschrieben – zu anstrengend ist, möge sich die einfache Frage stellen, was eigentlich den Kakao anbauenden Bauern an der Elfenbeinküste ein ‘gesunder’ Grundwasserspiegel nutzt, wenn keiner ihre Produkte kauft. Und ob sie – um dem Kaufboykott durch unsere ökologiebewußten Gutmenschen zu entgehen – stattdessen auf die Produktion weniger grundwasserintensiver, dafür politisch korrekter Erzeugnisse umsteigen sollen. Vielleicht Sonnenkollektoren oder Wärmetauscher?

Leider findet Geiger in Rolf Obertreis keinen Journalisten, der die Kunst der Nachfrage beherrscht. Stattdessen macht sich dieser ganz offenbar mit der Sache von Geiger gemein und verfällt genau in jenen nervenden Alarmismus, mit dem uns ein schlechtes Gewissen für so ziemlich jedes Vorkommnis zwischen Nord- und Südpol eingeflößt werden soll. Womit sich die “kritischen Warner” natürlich als unser ökologisches Gewissen profilieren können, selbst wenn sie den allergrößten Blödsinn verzapfen.


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